Kaum eine Textgattung ist so nah an Mythen und Legenden gebaut wie die Künstlerbiographie, zumal dann, wenn sie auf Selbstzeugnissen beruht. Der Künstler selbst muss sein Image pflegen, um bei den Mächtigen aufzufallen und hohe Preise für seine Werke zu erzielen. Hat er sich einen Namen gemacht, wird er zur öffentlichen Figur und von interessierten Kreisen vereinnahmt. Das war um 1500 nicht anders, als es heute ist.
Um die Mitte des 14. Jahrhunderts hatten die italienischen Humanisten Italien zur Prometheus-Nation der Zivilisation erklärt. Alles gesittete Verhalten des Menschen, alles Wissen, alle Kultur – so verkündeten sie – habe von Italien seinen Ausgang genommen, jenseits seiner Grenzen herrsche nichts als Barbarei, die sich allenfalls notdürftig übertünchen lasse.





