Bücher Leben in Pannonien zur Römerzeit Die Römer sind nie in Ungarn gewesen, so wenig wie in Deutschland oder Österreich. Hatte der Verlag Philipp von Zabern seine Reihe zu den römischen Provinzen noch unter dem Titel „Orbis Provinciarum“ begonnen und Bände etwa zu den Donauprovinzen Noricum, Dacia und Moesia inferior publiziert, so setzt er die Reihe nun unter einem Label fort, das in eine nationalstaatlichanachronistische Geschichtsbetrachtung zurückfällt. Die Provinzen werden unter dem naiven Titel „Die Römer in …“ vorgestellt. Dies treibt seltsame Blüten: So spricht László Borhy in seinem Werk zwar von der römischen Provinz Pannonia, behandelt aber nur deren ungarischen Teil. Dass Pannonia nicht nur die westlich der Donau gelegene Region Ungarns umfasste, sondern auch Gebiete Österreichs – mit zwei der vier Legionsstandorte (Vindobona und Carnuntum) – sowie Gegenden im heutigen Slowenien, Kroatien, Serbien und in der Slowakei, sagt der Verfasser zwar, doch stützt er sich allein auf die archäologischen und inschriftlichen Funde aus Ungarn. Die Römer sind hingegen im Illyricum gewesen, wie sie die Region zwischen Adria und Donau nördlich von Makedonien und östlich von Italien nannten. Seit Caesar zunächst ein militärischer Kommandobezirk, richtete Claudius hier die Provinzen Dalmatia an der Adriaküste und Pannonia zwischen Save und Donau ein. Nach einem Kapitel zur Geschichte und Kultur der keltischen Stämme im Karpatenbecken in vorrömischer Zeit stellt Borhy die später mehrfach unterteilte Provinz Pannonia in ihrer historischen Entwicklung und unter kulturellen Aspekten vor. Pannonien spielte als Grenzprovinz mit einem der größten Heeresverbände
Roms eine zentrale Rolle bei der Verteidigung des Imperiums gegen Markomannen, Quaden, Sarmaten, Vandalen, Goten und Hunnen. Dies gilt besonders für die Zeit der Markomannenkriege unter Mark Aurel, für das 3. Jahrhundert, als dort zahlreiche Kaiser vom Heer „gemacht“ wurden, und schließlich für die Völkerwanderungszeit.
vermitteln den Eindruck, dass der Verlag seine Bücher nicht mehr lektoriert. Die Stärke des Werks liegt in der anschaulichen Präsentation neuerer Grabungsergebnisse, die durch qualitätvolle farbige Karten, Computerrekonstruktionen und Abbildungen von Fundstücken dokumentiert werden. So gewinnt der Leser ein eindrückliches Bild von der materiellen Kultur der Provinzialbevölkerung. Pannonien ging Ende des 4. Jahrhunderts an die Hunnen verloren – die Ungarn kamen aber erst ein halbes Jahrtausend später. Prof. Dr. Eckhard MeyerZwiffelhoffer
Päpste als Mäzenaten László Borhy, Die Römer in Ungarn. Verlag Philipp von Zabern, Darmstadt 2014, 168 Seiten, € 34,95. Mehr zum Thema Franz Humer (Hrsg.), Carnuntum. Wiedergeborene Stadt der Kaiser. Verlag Philipp von Zabern, Darmstadt 2014, 165 Seiten, € 29,95.





