Mit einer Darstellung allein begnügt sich der Autor, ein durch zahlreiche Veröffentlichungen ausgewiesener Kenner dieser Epoche, nicht. Im wechselvollen Auf und Ab der Ereignisse von der Einrichtung des Prinzipats durch Augustus bis zum Ende des Weströmischen Reichs 476 n. Chr. sucht er nach übergeordneten Strukturen und Prinzipien als Erklärungsmuster. So macht er sicherlich zu Recht als grundlegenden Antrieb dieser Zeit aus, dass der Prinzeps eine geradezu paradoxe Stellung in der von Oktavian, dem späteren Augustus, propagandistisch verkündeten res publica restituta (wiederhergestellte Republik) einnahm.
Daraus erwuchs ein dauerhaftes Ringen des Kaisers um Akzeptanz bei den das System tragenden Gesellschaftsgruppen, allen voran bei den „potentiell“ als Nachfolger zur Verfügung stehenden Senatoren. Wegen dieser Bringschuld suchten die Kaiser nach einer eigenen Legitimität. Diesen komplexen Zusammenhang gliedert Sommer in drei Darstellungsschritte: Am Anfang steht die pax romana bis Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. mit einer relativen außen- wie innenpolitischen Ruhe. Hier funktionierte das Akzeptanz-System weitgehend, wenn man einmal von den unzeitgemäßen, spätere Entwicklungen vorwegnehmenden „schlechten“ Kaisern, insbesondere von Domitian, absieht.
Es folgt das immer mehr zum ideellen Leitbild verkommende, nicht mehr real als Machtzentrale fortbestehende roma aeterna in der langen und dynamischen Umbruchphase des 3. Jahrhunderts, an dessen Ende die Kaiser eine eigene, fast göttliche Legitimität und Autorität besitzen. Zuletzt wird die Zeit nach dem letzten heidnischen Restitutionsversuchs unter Julian „Apostata“ geschildert, die als imperium christianum Ost wie West auf höchst unterschied‧lichen Wegen hin zu neuen Strukturen (Byzantinisches Reich, Völkerwanderung und Mittelalter) steuern ließ. Mag man im Detail auch zu anderen Ergebnissen kommen, einige wenige sachliche Fehler kritisieren und im umfängli‧chen Literaturverzeichnis dann doch den einen oder anderen wichtigen Titel vermissen, so überwiegt doch die Anerkennung, dass der Autor einen lesenswerten und zudem lesba‧ren Überblick über eine faszinierende Epoche der Menschheitsgeschichte vorgelegt hat.
Rezension: Günther, Sven





