Als der 60-jährige, aber alles andere als altersmüde Immanuel Kant im September 1784 seine schwungvolle Antwort auf die Frage, was Aufklärung sei, aus Königsberg an die Redaktion der „Berlinischen Monatsschrift“ schickte, war sein Definitionsangebot nur eines von vielen. Der Begriff der „Aufklärung“, seit Beginn des 18. Jahrhunderts von Autoren wie Gottfried Wilhelm Leibniz, Christian Wolff oder Johann Christoph Gottsched als Übersetzung des französischen „éclairer“ beziehungsweise „éclairissement“ sowie des englischen „to enlighten“ in die deutsche Sprache importiert, war von Beginn an umstritten.
Anfangs versuchten selbst Hallenser Theologen noch, das neue Wort zu okkupieren, indem sie es auf ihren Zuständigkeitsbereich des „Lichts der göttlichen Offenbarung“ beschränkten. Am Ende des Jahrhunderts wurde der Begriff dann zunehmend zum Gegenstand breiter Diskussionen, die im Anschluss an die Französische Revolution sogar noch an Dynamik gewinnen sollten.





