Ronald Bockius, Direktor des Museums für Antike Schifffahrt in Mainz, erreicht mit seinem Band dieses anspruchsvolle Ziel über weite Strecken. In einer verständlichen und anschaulichen Sprache führt er den Leser von den Anfängen des Schiffbaus in der Bronzezeit über die Zeit der griechischen Klassik und des Hellenismus bis in die römische Spätantike, geizt dabei nicht mit archäologischen Detailstudien, gewinnt aus ihnen aber immer wieder die notwendigen allgemeinen Erkenntnisse, die den Fluss der Erzählung vorantreiben. Wohltuend ist das Bemühen, sich jenseits der spektakulären Phänomene (etwa die Riesenschiffe hellenistischer Herrscher) auch den kleinen Schiffstypen und alltäglichen Problemen des Schiffbaus zuzuwenden. Auffällig bleibt allein, dass der historisch so bedeutsame Athener Flottenbau und sein organisatorischer und politischer Kontext ziemlich knapp abgehandelt werden, im Vergleich dazu der römischen Fluss-Schiffahrt der Kaiserzeit ein sehr breiter Raum gewidmet wird (was sicherlich mit dem beruflichen Schwerpunkt des Autors zusammenhängt).
Durchweg erweist sich Bockius, zumal, wenn es um die bautechnischen Details an‧tiker Schiffahrt geht, als hoch‧kompetenter Experte, der sich auf der Höhe des wissenschaftlichen Erkenntnisstandes bewegt. Umso überraschender sind einige historische Ungenauigkeiten (etwa die Datierung der Fahrt des Pythias ins 5. statt ins 4. Jahrhundert) sowie die Tatsache, dass der Autor immer noch der alten polybianischen Mär anhängt, wonach ein gestrandetes karthagisches Kriegsschiff als Vorlage des römischen Flottenbaus im ersten Punischen Krieg gedient habe – eine Geschichte, die schon vor längerer Zeit von italienischen Wissenschaftlern und jüngst erneut ins Reich der (römischen) Fabeln verwiesen wurde.
Diese Kritikpunkte können jedoch den äußerst positiven Gesamteindruck des hervorragend bebilderten und gut strukturierten Bandes nicht schmälern. Jeder, der sich über das Thema schnell und kompetent informieren möchte, sollte es zur Hand nehmen. Er wird viele Erkenntnisse und manche Anregung zum weiteren Studium gewinnen.
Rezension: Schulz, Raimund





