Die Reihe der Silbergrauen Führer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg stellt die Kulturdenkmale des Bundeslandes vor. Regelmäßige Neuerscheinungen sorgen dafür, dass auch aktuelle Baumaßnahmen, Restaurierungen oder Änderungen in der musealen Präsentation berücksichtigt werden. Als jüngste Neuerscheinung wurde jetzt ein neuer Führer durch das Bruchsaler Schloss vorgestellt. Außerhalb Baden-Württembergs wenig bekannt, ist die ehemalige Residenz der Fürstbischöfe von Speyer jedoch allemal einen Besuch wert. Ähnlich wie in Würzburg verdankt das Bruchsaler Schloss seine Entstehung dem Zusammenspiel eines Schönborn-Bischofs und Balthasar Neumanns, auf den das Treppenhaus in beiden Residenzen zurückgeht. Zwar ist das Würzburger größer und noch prächtiger, doch muss sich das Bruchsaler Pendant keineswegs verstecken. Ein weiterer Höhepunkt sind die prunkvollen Rokokodekorationen, die aber nur zum Teil heute noch zu besichtigen sind. Im März 1945 wurde das Bruchsaler Schloss bei einem alliierten Luftangriff schwer beschädigt; erst 1996 wurde die Wiederherstellung vorübergehend abgeschlossen. Aktuell wurde mit der Wiederherstellung der Raumfolge in der Beletage begonnen. Neben den Prunkräumen beherbergt das Schloss zwei sehenswerte Museen: das Museum der Stadt Bruchsal sowie das Deutsche Musikautomaten-Museum als Außenstelle des Badischen Landesmuseums.
Durch ihre kompakte Form eignen sich die Silbergrauen Führer sowohl als Begleiter auf der Reise zu den jeweiligen Sehenswürdigkeiten als auch zur Lektüre im heimischen Wohnzimmer. Eine Vielzahl von qualitativ hervorragenden Aufnahmen ermöglicht einen anschaulichen Eindruck der Schlösser, Klöster und Gärten; in den Begleittexten wird auf die Geschichte des Baus ebenso eingegangen wie auf die Biographien der Bauherrn. Dieses Konzept zeichnet auch den von Sandra Eberle verfassten Führer zum Schloss Bruchsal aus. Dazu kommen eine Zeitleiste, ein Glossar und Literatur zum Weiterlesen für all jene, die sich noch näher mit dem Schloss bzw. den Fürstbischöfen von Speyer als Bauherren auseinandersetzen wollen. Stockwerkspläne erleichtern den Besuch vor Ort oder wiederum die räumliche Vorstellung bei einem virtuellen Besuch. Ob virtuell oder real: Jeder Besucher mag dabei das Urteil des bekannten Kulturhistorikers Jakob Burckhardt nachvollziehen, der das Treppenhaus Balthasar Neumanns in Bruchsal eine Sehenswürdigkeit “geradezu ersten Ranges” fand sowie Speise- und Kaisersaal als “Ensemble von überwältigender Wirkung” beschrieb.
Rezension: Oster, Uwe A.





