Vergewaltigungen durch die Besatzer kamen häufig vor
Die Beobachtungen und Eindrücke sind sehr gegensätzlich. Aus einem Ort im Dekanat Tauberbischofsheim etwa kommen genau 18 Worte: „Die Pfarrei Rauenberg hatte den ganz besonderen Schutz Gottes; von Kriegsereignissen kann hier nicht geredet werden. Glück auf!“ Auf acht engbeschriebenen Seiten meldet dagegen Pfarrer Höfler aus Breisach: „Wie erstarrt von Schmerz und Entsetzen“ standen die aus der Evakuierung heimkehrenden Bewohner, „die meistens kein Heim mehr vorfanden, vor diesem furchtbaren Trümmerfeld, über dem das Münster, das einst so stolz und erhaben über die Lande schaute, nun selbst zur Ruine geworden, wie eine zu Stein erstarrte Klage trauerte“.
Von der Reichenau (Bodensee) erwähnt Pfarrer Berenbold eine „Bluttat“: In Niederzell wurde ein Arzt, der seine Frau vor einer Vergewaltigung schützen wollte, von einem Marokkaner erstochen. Die französischen Truppen, die den südlichen Teil der Erzdiözese Freiburg besetzt hatten, bestanden zum Teil aus nordafrikanischen Kolonialtruppen, zu denen dieser Marokkaner offenbar gehörte. Zu drei vergewaltigten Mädchen heißt es im Bericht fast beiläufig, an ihnen sei in Konstanz „ein Eingriff gemacht“ worden. Gemeint war damit sehr wahrscheinlich die unter schwerer Strafe stehende Abtreibung.
War ein Ort erobert oder kampflos besetzt worden, drohten Plünderung und Raub, Brandstiftung und Mord; besonders gefürchtet waren wieder die Angehörigen der französischen Kolonialtruppen, wie die Pfarrer berichten. Requisitionen, die mutwillige Zerstörung kostbarer Güter und verschwenderische Gelage auf Kosten der Einwohner hätten wochenlang zum Alltag in Stadt und Land gehört. Mit anrückenden neuen Feindverbänden kam es laut den Berichten wieder zur Jagd auf Mädchen und Beschlagnahme von Wohnungen. Es sei auch zu Erpressungen gekommen, zum Teil auch durch Offiziere.
Auf seinen Protest bekam Pfarrer Graf aus Friedingen (Hegau) zu hören: „Die Deutschen haben es in Frankreich viel schlimmer gemacht.“ Es sei unmöglich, „irgendwo mit einer Beschwerde was zu erreichen. Es fehlt jeder Rechtssinn“, schreibt er. Pfarrer Traub aus Neufra (Hohenzollern) war nach Klagen belehrt worden, die Franzosen seien „nicht als Beschützer, sondern als Sieger gekommen“. Allerdings versprach mancher Offizier, überführte Täter bestrafen und auf Disziplin achten zu wollen.
Doch es wurden auch andere Eindrücke von den französischen bzw. den amerikanischen Truppen, die den nördlichen Teil der Diözese besetzt hatten, berichtet. Sie halfen tatkräftig, etwa beim Löschen von Bränden oder bei der medizinischen Versorgung der Bevölkerung. Sie hörten auch auf Kriegsgefangene, die ein gutes Wort für „ihr“ Dorf eingelegt hatten, in dem sie anständig behandelt worden waren. Der Ort Einhart (Dekanat Sigmaringen) bekam als Maire désigné par l’autorité militaire (Bürgermeister kraft militärischer Befehlsgewalt) den Ortspfarrer Burkart.





