Es handelt sich um eine solide, in den Fakten zuverlässige politische, diplomatische und militärische Geschichte Schottlands im Spätmittelalter. Das ist nichts Geringes, wenn man bedenkt, wie wenige deutsche Historiker sich bisher mit der Geschichte dieses nördlichen Königreichs befasst und ihre Ergebnisse in deutscher Sprache vorgelegt haben.
Auf den erzählenden Hauptteil folgen kurze Strukturkapitel: über Hof und Verwaltung sowie über die Kirche. Sie sind freilich mit der vorausgehenden erzählenden Geschichte kaum verbunden, doch liefern sie einiges von dem nach, was man zur genaueren Kenntnis der schottischen Verhältnisse nützlich finden wird.
Dieses Buch ist in einer spezielleren Reihe des Verlags erschienen: „Geschichte in Wissenschaft und Forschung“. Und so schließt sich nun der Forschungsteil an. Rogge hat sich, nach seinen früheren Arbeiten zur wettinischen Geschichte, im Rahmen eines Forschungsprojekts schwerpunktmäßig den Erbsitten und den Herrschaftsrechten im spätmittelalterlichen Schottland gewidmet. Speziellere Untersuchungen gelten den Erbrechten der Familien Campbell, Douglas und Stewart sowie den Beziehungen der Grafen von Huntly und der Herren Forbes zu den schottischen Königen.
Abgesehen von eigenen Forschungen, vermittelt Rogge auch neuere Forschungsansätze schottischer Historiker für ein deutsches Publikum, namentlich von Alexander Grant und Jenny Wormald. Fragen der Kulturgeschichte (Sprache und Literatur, Bildung und Religion) werden allerdings nicht berücksichtigt.
Dennoch, eine andere derartige allgemeine Geschichte Schottlands für diese Epoche wird man in deutscher Sprache kaum finden; sie ist deshalb sehr willkommen. Die Darstellung wird ergänzt durch ein Glossar, Karten, Stammtafeln und ein Quellen- und Literaturverzeichnis.
Rezension: Prof. Dr. Michael Maurer
Jörg Rogge
Für die Freiheit
Eine Geschichte Schottlands im späten Mittelalter
W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2021, 184 Seiten, € 29,–





