Dea Arduinna heißt die Geheimnisvolle, die Kelten verehrten sie als Schutzpatronin des Waldes, der Wildnis, der Berge, generell der Natur. Sie ist auch Namensgeberin der Ardennen, die sich im Norden Frankreichs über Luxemburg bis in die Wallonie erstrecken. Der Name Arduinna wurzelt im lateinischen ardua, was so viel wie „hoch“ bedeutet und auf einen Berg als Göttersitz hindeutet. Allerdings gibt es keinen zweifelsfreien Nachweis, dass die Statuette tatsächlich die Göttin darstellt.
Laut der keltischen Mythologie symbolisiert die Göttin Arduinna die Erkenntnis, dass der Mensch Teil der Natur sei und daher mit ihr in Harmonie leben solle. Bei den Galliern, wie die Römer die Kelten nannten, die im heutigen Frankreich siedelten, war Arduinna im Alltag tief verwurzelt; sie widmeten ihr rituelle Feste und Zeremonien, bei denen reiche Ernten und erfolgreiche Jagden erbeten und gefeiert wurden.
Die Gleichsetzung der Arduinna mit Diana, der römischen Göttin der Jagd und des Waldes, beruht auf der Annahme der Römer, die sich im Lauf der Zeit in der Mythologie stark durchsetzte. In Rom ist eine Diana-Statue erhalten, deren Inschrift auf „Ardvinne“ hinweist. Doch es gibt keine wissenschaftlich nachweisbaren Belege, dass es sich hierbei um ein und dieselbe Gottheit handelt. Vieles bleibt bis heute ungeklärt; auch der Ritt auf dem Wildschwein ist bislang nur historische Fiktion. Als Wappentier der Gallier taucht der Eber erst im Mittelalter auf.
Zu den Ardennen zählte in der Antike auch die Nordeifel. Dort wurde 1859 in der Gemeinde Hürtgenwald-Gey (Kreis Düren) bei Rodungsarbeiten ein Weihestein aus rotem Sandstein ausgegraben. Dessen Inschrift trägt eine Widmung für „Deae Ardbinnae“ (Göttin Arduinna). Der römische Dedikant Titus Julius Aequalis widmete das Denkmal als Opfergabe an die Ardennengöttin, die ihn schützend durch den Bergwald geleitet
hatte.
Arduinnas Vermächtnis wirkt bis in die Gegenwart nach – in der zeitgenössischen Ökologiebewegung, deren zentrale Botschaften demnach viel älter sind, als selbst manch Umweltschützer vermutet.





