Die Vertriebenen sind Diskussionsthema geworden, sei es wegen eines geplanten „Zentrums gegen Vertreibungen“, sei es wegen der neu entbrannten Entschädigungsdebatten. Jenseits aller aufgeregten Dispute, dabei eindringlich und spannend, widmet sich das Buch der Politologin Helga Hirsch unter dem Titel „Schweres Gepäck“ anhand von sieben Lebensgeschichten dem Schicksal derjenigen, die als Kinder mit Flucht und Vertreibung im Zuge des Zweiten Weltkriegs konfrontiert waren. Die Eltern verließen Polen, die Slowakei, das Sudetenland oder Ungarn, lernten Angst, Hunger und Hilflosigkeit kennen, bis sie sich in der neuen Heimat in Ost- oder Westdeutschland – mehr oder weniger erfolgreich – wieder eine Existenz aufbauten. Die bedrückenden, zuweilen traumatischen Erlebnisse wurden oft eher verdrängt, doch Risse und Brüche blieben. Die Geschichten des Buchs zeigen, wie sehr das Leben der Kinder bis in die Gegenwart durch das Thema Vertreibung geprägt ist, gleichgültig, ob sie mit den Eltern die Flucht unmittelbar erlebt haben oder Nachgeborene sind. Die Lebensgeschichten, mehr oder weniger literarisch bearbeitet, sollen eine Brücke zwischen den Nationen und Generationen schlagen. Damit folgt das Buch dem Konzept einer Reihe in der „Edition Körber-Stiftung“, die darauf abzielt, durch den Dialog mit den europäischen Nachbarn Verständigungs- und Versöhnungsprozesse in Gang zu setzen – ein Anliegen, das unsere Aufmerksamkeit verdient.
Rezension: Talkenberger, Heike





