Der Kaiser hatte lieber festen Boden unter den Füßen. Aber es gab ein historisches Ereignis, das Franz Joseph I. (1848 –1916) zu einer längeren, turbulent verlaufenden Seereise zwang: Bei der Eröffnung des Sues-Kanals am 16. November 1869 musste Österreich-Ungarn als europäische Großmacht hochrangig präsent sein, schließlich versprach sich der Seehandel davon eine neue Blütezeit.
Vor Jaffa (heute Tel Aviv) lagen drei Schiffe für die Fahrt nach Ägypten vor Anker. Sturm, schwerer Seegang und Regenschauer machten die Überfahrt per Beiboot gefährlich, doch duldete der Kaiser aus Zeitgründen keinen Aufschub. Zu allem Überfluss war auch die Bordwandtreppe beschädigt. So musste der damals 39-jährige Monarch, vergurtet wie ein Stück Fracht, per Flaschenzug an Bord gehievt werden. Die Zeitungen überschlugen sich mit reißerischen Artikeln – Franz Joseph wäre beinahe im Meer ertrunken oder gar von Haien gefressen worden, hieß es. Die Reise lohnte sich aber auf jeden Fall: Als bei der Eröffnungszeremonie die kaiserliche Jacht „Greif“ als drittes Schiff den Sues-Kanal passieren durfte, war klar, dass die Donaumonarchie auch als Seemacht ernst genommen wurde.





