Geflügelte Sonne mit Ankh-Symbol
Die Entdeckung des Siegelabdrucks gelang Archäologen bei Ausgrabungen auf dem Jerusalemer Ophel, einem Höhenrücken, der sich vom Tempelberg nach Süden zieht. In einem Schutthaufen aus der Zeit Ezechias stießen die Forscher neben Tonfiguren, Gefäßscherben und mehreren siegelabdrücken auf einen runden Siegelabdruck, der sich bei näherem Hinsehen als etwas Besonderes entpuppte.
Der Siegelabdruck zeigt das Abbild einer Sonne mit abwärtsgeneigten Flügeln. Neben den Flügeln sind zwei Ankh-Symbole zu sehen. Am Rand des Abdrucks steht: “Dies gehört Ezechia, Sohn von Ahas, König von Judäa”. Der gesamte Abdruck ist etwa neun mal acht Millimeter groß, am Rand des Motivs ist ein kreisförmiger Abdruck zu erkennen, der wahrscheinlich vom Rand des Siegelrings stammt.
Das persönliche Siegel des Königs
“Es handelt sich bei diesem einzigartigen Fund um den Abdruck des persönlichen Siegels von König Ezechia”, sagt Grabungsleiterin Eliat Mazar von der Hebräischen Universität Jerusalem. “Dieses Siegel wurde höchstwahrscheinlich allein vom König selbst benutzt und von niemandem sonst.” Die Tatsache, dass dieser Siegelabdruck im damals königlichen Viertel Jerusalems gefunden wurde, bringe diesen König so nahe wie nie zuvor.
König Ezechia regierte Judäa von 725 bis 698 v. Chr. In dieser Zeit eroberten die Assyrer große Teile des nördlichen Israel, im Jahr 701 belagerten sie auch Jerusalem. Sowohl die Bibel im Zweiten Buch der Könige als auch die assyrische Königschronik berichten über Ezechia. Nach diesen Quellen galt dieser als starker und besonnener Herrscher, der sowohl religiöse als auch wirtschaftliche Reformen umsetzte. Unter seiner Herrschaft wurde Jerusalem ausgebaut und Judäa wuchs zu einer der stärksten Mächte im Grenzgebiet zu Assyrien.
“Obwohl schon häufiger Siegelabdrücke mit dem Namen von Ezechia auf dem Antiquitätenmarkt aufgetaucht sind, ist dies das erste Mal, dass wir den Siegelabdruck eines Königs von Judäa oder Israel bei einer Ausgrabung finden”, sagt Mazar. Der Fundort ermöglichte es, den Zweck und die Herkunft des Abdrucks genauer zu bestimmen. So zeugen Abdrücke von dünnen Kordeln auf der Rückseite des Tonstücks davon, dass es einst als Siegel eines zusammengerollten Papyrus gedient haben muss, wie die Forscher berichten. Unmittelbar oberhalb des Fundorts stand zu Ezechias Zeit ein königliches Gebäude, das wahrscheinlich als Lagerhaus diente, gleichzeitig aber Teil der Befestigungen Jerusalems war.
Wandel des Siegelmotivs
Spannend ist der Fund aber auch aus einem anderen Grund: Sein Motiv der Sonne mit den schützend abwärtsgeneigten Flügeln unterscheidet sich von den bisher bekannten Symbolen Ezechias aus früheren Jahren seiner Herrschaft. Denn diese zeigten meist einen geflügelten Skarabäus – ein Symbol der Stärke, das zu dieser Zeit im gesamten Nahen Osten verbreitet war, wie die Forscher erklären.





