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Skeptisch beäugen, pragmatisch behandeln
Die Griechen erfanden die „Barbaren“, indem sie sich selbst – die „Hellenen“ – von anderen Völkern strikt abgrenzten. Im alltäglichen Leben war ihr Verhältnis zu Fremden aber durchaus vielseitig. Das Spektrum reichte von Misstrauen über Gastfreundschaft, Schutz und Asyl bis zu dauerhaftem Aufenthaltsrecht.
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Die antiken Griechen hielten von sich selbst sehr viel. Nach eigener Deutung waren sie auf allen denkbaren Gebieten die Besten – seien es Politik, Wissenschaft, Architektur, Literatur, Kunst oder Sport. Dementsprechend trauten sie anderen Völkern und Kulturen nicht allzu viel zu. Sie hielten sie für „Barbaren“, eine Bezeichnung, die sehr früh auftauchte und zunächst all jene Menschen charakterisierte, die nicht Griechisch sprachen, sondern welche für die an akustische Wohllaute gewöhnten Ohren der Griechen beleidigende, unverständliche Geräusche von sich gaben. So entstand der lautmalerische Begriff „Barbaren“. Im Lauf der Zeit wurde er zu einem allgemein abwertenden Kulturbegriff erweitert: „Barbar“ zu sein hieß nun, insgesamt rückständig und unzivilisiert zu sein.
Dabei vergaßen die Griechen geflissentlich, dass sie selbst erst durch „Barbaren“ jene herausragenden Standards erreicht hatten, derer sie sich gerne rühmten und für die sie auch heute noch bewundert werden. Ohne die vielfältigen Impulse, die sie von den fortschrittlichen Völkern des Vorderen Orients – allen voran den Anatoliern, den Ägyptern und den Babyloniern – empfangen hatten, hätten sie es nie bis zur ersten europäischen Hochkultur gebracht.
Um sich von den „Barbaren“ abzugrenzen, mussten die Griechen oder „Hellenen“, wie sie sich meist nannten, erst einmal eine Vorstellung von sich selbst gewinnen. Vier Kriterien waren es, die nach ihrer Auffassung eine griechische Identität herstellten: die Herkunft, die Sprache, die Religion und die Lebensformen. So hatte es der einflussreiche Historiker Herodot im 5. Jahrhundert v. Chr. formuliert, der allerdings, strenggenommen, selbst gar kein Grieche war. Er stammte aus Halikarnassos, dem heutigen Bodrum, an der Südwestküste Kleinasiens. Diese Region gehörte zum Siedlungsgebiet der Karer, und die Indizien sprechen dafür, dass Herodots Familie karische Wurzeln hatte und nach griechischer Lesart zu den Barbaren zählte. Doch adaptierte Herodot in nicht untypischer Weise eine griechische Identität und profilierte sich mit einem vielgelesenen Geschichtswerk über die Kriege, die die Griechen zu Beginn des 5. Jahrhunderts v. Chr. gegen die Perser geführt hatten, als Protagonist der griechischen Historiographie.
Die Hellenen-Barbaren-Antithese war allerdings mehr ideologischer als pragmatischer Natur. Darüber ließen sich gern die Intellektuellen und die Schriftsteller aus. Viele Griechen bekamen in ihrem Leben nie einen „Barbaren“ zu Gesicht. Ausnahmen waren große Feldzüge, wie vor allem die Invasion der Perser nach Griechenland unter König Xerxes im Jahr 480 v. Chr. Auch zogen Großstädte wie Athen oder Korinth viele fremde Kaufleute und Händler aus fernen Regionen an.
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Komödiendichter wie Aristophanes brachten häufig Barbaren auf die Bühne, statteten diese dabei aber gern, um beim Publikum zu punkten, mit überzogenen, realitätsfernen Merkmalen aus, speziell, was Sprache und Kleidung betraf. Wenn Griechen konkret mit Fremden zu tun hatten, kamen, wie ein Blick in die Geschichte des Umgangs mit ihnen zeigt, andere Kriterien als die Barbaren-Stereotypen zum Tragen.
Odysseus’ Erlebnisse zeigen beispielhaft, was Fremdsein bedeuten kann
Wer wissen möchte, wie bei den Griechen etwas angefangen hat, darf sich nicht bedenkenlos, aber doch mit einiger Zuversicht Homer anvertrauen. Und dies nicht nur deswegen, weil die ihm zugeschriebenen Werke „Ilias“ und „Odyssee“, die am Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr. schriftlich fixiert wurden, die älteste Literatur der Griechen darstellen und somit auch am Anfang der europäischen Literaturgeschichte stehen.
Die Erzählungen vom Trojanischen Krieg und den Irrfahrten des Helden Odysseus reflektieren bei aller dichterischen Freiheit auch viel historische Realität – nicht, was die Protagonisten angeht (sämtliche Figuren sind Fiktion), aber was die allgemeinen Zustände, die Lebensformen und die Denkweisen betrifft. Zur richtigen Gebrauchsanweisung von Homers Epen gehört dabei auch der Hinweis, dass er die Verhältnisse seiner eigenen Zeit – des späten 8. Jahrhunderts v. Chr. – beschreibt und nicht die seiner Helden, mit denen er an die Epoche der kriegerischen Fürsten aus der mykenischen Zeit (15. bis 12. Jahrhundert v. Chr.) anknüpfte.
Auf jeden Fall ist Homer auch eine wichtige Quelle für den frühen Umgang der Griechen mit Fremden. Odysseus ist gewissermaßen der Prototyp des Fremden. Auf seinen unfreiwilligen Reisen durch das Mittelmeer kam er immer wieder an fremde Gestade und traf auf Menschen, die Fremden mit Respekt begegneten oder deren Sympathien für Fremde sich in Grenzen hielten. Auch Odysseus ist als Person eine Erfindung. Doch in der epischen Figur Odysseus konzentrieren sich Erfahrungen, die viele Menschen machten, die in der Zeit Homers in der großen weiten Welt unterwegs waren.
Als Odysseus zum Beispiel bei den Phaiaken landet, einem Volk, das dank üppiger Ressourcen ein sorgloses Leben führt, wird er als Schiffbrüchiger vom König und seiner Tochter freundlich empfangen. Anders sieht es bei der Bevölkerung aus: Sie begegnet dem Fremden mit Ablehnung und Misstrauen. Woran das liegt, weiß die Göttin Athene. Sie klärt Odysseus mit den Worten auf: „Blicke niemanden an und frage niemanden, denn sie dulden die Fremden nicht gerne.“
Gastfreundschaft beseitigt Distanz und fördert Vertrauen
Das Volk hat in diesem Fall offenbar keine Erfahrung mit Fremden. Wer nicht zur Gemeinschaft gehört, wird ausgegrenzt – eine für archaische Gesellschaften typische Haltung. Fremde gelten als Träger unbekannter und deswegen unheimlicher Kräfte. Aus diesem Grund will man mit ihnen nichts zu tun haben. Anders der König und seine Tochter. Die Repräsentanten der Eliten behandeln den fremden Odysseus als Gast und als Freund. Das tun sie aber nicht aus humanitären Gründen. Freundlichkeit, so das Kalkül, bändigt die negative Aura des Fremden. Dieser Wandel wird auch sprachlich unterstrichen: Das griechische Wort xenos bedeutet sowohl „Fremder“ als auch „Gast“. Zum Ritual gehört es, Distanz zu beseitigen und Vertrautheit herzustellen. Diesem Zweck dient die Frage des Gastgebers nach Name und Heimat seines fremden Gastes. Dann setzt man sich zu einem gemeinsamen Mahl zusammen, und der Gastgeber sorgt für die Unterkunft des Gastes. Damit erwirbt der Gastgeber gleichzeitig das Anrecht auf dieselbe Prozedur, wenn er später einmal bei dem Fremden zu Gast sein sollte.
Die Gastfreundschaft war bei den antiken Griechen das wichtigste Instrument zur Überwindung von Fremdheit. Wer gegen dieses Prinzip verstieß, galt als ungehobelt und nicht gesellschaftsfähig. Beispielhaft ist der Besuch des Odysseus und seiner Gefährten bei dem auf einer Insel hausenden Zyklopen Polyphem. Der einäugige Riese, den als möglichst grob darzustellen Homer in jeder Zeile spürbar bemüht ist, verstößt gegen alle Regeln der Gastfreundschaft. Da hilft auch nichts, dass ihm Odysseus eine verbale Lektion erteilt, wie man mit Gästen umzugehen habe. Er solle doch wenigstens Respekt vor den Göttern haben. Denn der höchste Gott Zeus persönlich sei der Rächer aller Schutzflehenden und Fremden – Zeus mit dem Beinamen Xenios („der für die Fremden Zuständige“), der die Fremden, die man achten müsse, begleite.
Da es in der griechischen Frühzeit noch keine verbindlichen Rechtssätze gab, die den Umgang mit Fremden regelten, musste als Ersatz der göttliche Schutz herhalten. Auf Polyphem machte der Appell des Odysseus jedoch nicht den geringsten Eindruck. Er sperrte die Fremden in seiner Wohnhöhle ein, verspeiste sogar zwei von den Gefährten des Odysseus. Doch die Rache war fürchterlich: Der einäugige Zyklop wurde mit einem glühenden Pfahl geblendet, die Gefangenen flohen und ließen Polyphem in ohnmächtiger Wut zurück.
Als Odysseus nach zehn Jahren der Irrfahrt endlich nach Ithaka, in seine Heimat, zurückkehrte, erlebte er zum Abschluss seiner abenteuerlichen Reise noch einmal ein Musterbeispiel für vorbildliches Verhalten gegenüber Fremden. Um die Lage zu sondieren – während seiner langen Abwesenheit konnte viel passiert sein –, verkleidet sich der königliche Heimkehrer als Bettler. Da begegnet er seinem Sauhirten Eumaios, einem einfachen, ehrlichen, treuen Menschen. Dieser erkennt ihn nicht, bittet ihn aber in seine bescheidene Hütte und labt ihn mit Brot und Wein. Dank lehnt er ab: Kein Fremder, sei er noch so gering, dürfe, so führt der Hirte aus, missachtet werden, denn sie kommen alle von Zeus.
Danach war allerdings Schluss mit den Freundlichkeiten. Zusammen mit seinem Sohn Telemachos richtete Odysseus ein grausames Blutbad unter den Adligen an, die seine Frau Penelope belästigt hatten. Auch ein solches Verhalten gehörte zum Ehrenkodex der griechischen Frühzeit.
Asyl: Schutzraum für Menschen, die in Schwierigkeiten stecken
Eine logische Konsequenz der göttlich garantierten Gastfreundschaft war das Asyl. Erfunden haben es die Griechen nicht, Vorläufer gab es in Mesopotamien, Ägypten, Palästina. Jedoch haben sie es konsequent zu einer kultisch-religiösen Einrichtung geformt. Das griechische Asyl war eine Schutzinstanz für Flüchtlinge, für politisch Verfolgte, überhaupt für Menschen, die in Schwierigkeiten steckten und deren Sicherheit bedroht war. Zuflucht fanden die Asylanten in Tempeln, die neben dem Kultgebäude über eine groß dimensionierte heilige Zone, den so- genannten Temenos, verfügten. Von Mauern umgeben, war das Areal, innerhalb dessen das Asyl galt, somit klar definiert.
Im Prinzip gab es keine Regel, wie lange man das Asyl in Anspruch nehmen durfte. Wenn auch, was die weitere Lebensgestaltung betraf, auf längere Sicht nicht gerade das Optimum, aber durchaus möglich war es, sich bis zum Lebensende unter die Obhut des Gottes oder der Göttin und der jeweiligen Priesterschaft zu begeben. Jedoch sind solche Extremfälle nicht bekannt. Rekordhalter unter den griechischen Asylanten war der spartanische König Pleistoanax, der im 5. Jahrhundert v. Chr. 19 Jahre in einem Zeus-Heiligtum im Lykeion-Gebirge in Arkadien zubrachte. Hier bewohnte er, wie der Historiker Thukydides berichtet, nicht weniger als die Hälfte des Tempelareals.
So viel Komfort musste für einen König sein, auch wenn er bei seinen Spartanern in Ungnade gefallen war. Denn als junger Mann hatte er die Spartaner in einen Feldzug gegen Athen geführt, dann aber, als die Athener ihm viel Geld gezahlt hatten, ganz flexibel seine strategischen Pläne geändert und war auf die Peloponnes zurückgekehrt. Die Spartaner waren nicht begeistert, erlegten ihm eine hohe Geldsumme als Buße auf, die Pleistoanax nicht zahlen konnte oder wollte. So entschloss er sich, sein Schicksal dem Gott Zeus anzuvertrauen. Nach 19 Jahren hatte er jedoch genug und durfte aufgrund eines manipulierten Gutachtens des Orakels von Delphi zurück in die Heimat.
Als eines der schlimmsten Vergehen galt den Griechen die Verletzung des göttlichen Rechtes auf Asyl. 632 v. Chr. erregte ein spektakulärer Fall die Gemüter. Im Mittelpunkt stand der Athener Kylon, hochdekorierter Olympiasieger, der in seiner Heimatstadt eine Tyrannis – eine Alleinherrschaft – errichten wollte. Es kam zu schweren Auseinandersetzungen, in deren Folge sich Kylon mit seinen Anhängern auf der Akropolis verschanzte. Ihm selbst gelang die Flucht. Seine Mitstreiter suchten am Altar der Göttin Athene Schutz.
Die Belagerer lockten sie mit der Aussicht, ihnen nichts anzutun, wenn sie sich ihnen ergeben würden. Als sie dies taten, wurden sie auf der Stelle getötet. Der Vorfall zog eine Welle der Empörung nach sich. Der Initiator Megakles aus der Adelsfamilie der Alkmaioniden wurde angeklagt und samt seinen Angehörigen in die Verbannung geschickt. Noch Jahrzehnte später lieferte der Skandal Gegnern prominenter Alkmaioniden wie Kleisthenes, dem Architekten der attischen Demokratie, und Perikles, dem führenden Politiker im Athen des 5. Jahrhunderts v. Chr., jede Menge verbale Munition.
Ein besonderer Fall – ein Grieche, der in einer anderen Polis lebt
Für die Griechen war nicht jeder Fremde gleich fremd. Sie kannten drei Kategorien von Fremden. Die „fremdesten“ Fremden waren die „Barbaren“, also Perser, Ägypter, Skythen, Kelten und andere, aus der Sicht der Griechen exotische Völker. In allen vier Rubriken, die Griechen zu Griechen machten (Sprache, Herkunft, Religion, Lebensformen), waren sie anders.
Die zweite Kategorie stellten die griechischen Fremden dar. In der Antike bildeten die Griechen zu keinem Zeitpunkt eine politische Einheit. Im Gegenteil: Sie lebten in über 700, meist sehr kleinen Stadtstaaten. Jede Polis (so der originale Begriff) war autonom, hatte eigene Gesetze, eine eigene Führung, eine eigene Währung, einen eigenen Kalender. Sie definierten sich auch nicht in erster Linie als Griechen, sondern als Angehörige des Stadtstaates, in dem sie wohnten. Wurde ein Athener gefragt, welcher Herkunft er sei, sagte er nicht „Hellene“, sondern „Athener“. Oder ein Korinther antwortete „Korinther“.
Diese zweite Klasse von Fremden bildeten daher die Griechen, die in einer anderen griechischen Polis lebten. Sie waren nicht so fremd wie die Barbaren, aber wiederum fremder als die dritte Kategorie, die Metoikoi. Mit diesem Begriff, der so viel wie „Mitwohner“ bedeutet, wurden jene Griechen (und in einzelnen Fällen auch Nicht-Griechen) bezeichnet, die auf Dauer in einer fremden Polis lebten. Ein solches Leben war nicht leicht. Die Polis verstand sich als eine enge Gemeinschaft von Bürgern. Das waren die freien Männer von über 18 Jahren. Die Frauen blieben von politischer und sozialer Partizipation weitgehend ausgeschlossen, ebenso die zahlreichen Sklaven.
In einer Gesellschaft, die sogar in demokratischen Systemen mit der Übertragung von bürgerlichen Rechten und Privilegien sehr sparsam umging, hatten die Fremden, die sich hier niederließen, einen schweren Stand. Das hielt viele nicht davon ab, mit ihren Familien das Glück in der Fremde zu suchen. Begehrt waren wirtschaftlich prosperierende Städte wie Athen oder Korinth. In Athen, wo die Verhältnisse dank reichlich fließender Quellen am besten bekannt sind, mussten sich die Fremden, wenn sie sich länger als 30 Tage in der Stadt aufhielten, bei den Behörden melden und in die Liste der Metoikoi eintragen lassen. Damit waren sie im Besitz einer dauerhaften Aufenthaltsberechtigung.
Das war die positive Seite. Doch zugleich wurde den Fremden durch diverse Sonderregelungen klargemacht, dass sie nicht über den Status von Außenseitern hinauskommen würden: Sie durften nicht wählen und nicht gewählt werden, durften sich nicht an den Abstimmungen beteiligen, mussten eine Fremdensteuer zahlen und durften keinen Grundbesitz erwerben.
Als Zuwanderer geduldet, als Unternehmer gern gesehen
Die letzte Bestimmung zeigt deutlich, warum man die Fremden überhaupt aufnahm und was man von ihnen erwartete: Sie sollten Wirtschaft und Handel ankurbeln. Nicht ohne Erfolg, wie viele Beispiele zeigen. Eine Vorzeigekarriere absolvierte im 5. Jahrhundert v. Chr. Kephalos aus Syrakus, der in Athen eine Waffenfabrik betrieb und überdies davon profitierte, dass er mit Perikles, dem mächtigsten Mann in Athen, befreundet war. Sein Sohn Lysias führte das Geschäft weiter und wurde, wie es in einer Quelle lapidar heißt, „der Reichste der Metoiken“.
Weil Lysias so erfolgreich war, gewährte ihm der athenische Staat großzügig die Befreiung von Steuerzahlungen. Allerdings ging auch in seinem Fall die Dankbarkeit nicht so weit, den verdienten Fremden mit dem Bürgerrecht Athens auszuzeichnen. Das geschah äußerst selten, etwa, wenn sich ein Metoikos im Krieg auszeichnete – zum Militärdienst waren die Fremden verpflichtet. In Athen sorgte Perikles mit einem restriktiven Gesetz dafür, dass das Bürgerrecht zu einer exklusiven Angelegenheit wurde. Nur, wer nachweisen konnte, dass beide Elternteile aus Athen stammten, durfte das Bürgerrecht beanspruchen.
Dann verliebte sich Perikles in Aspasia, eine Frau aus Milet. Er ließ sich von seiner Ehefrau scheiden, lebte mit Aspasia zusammen und bekam mit ihr einen Sohn, den er Perikles nannte. Diese wenig einfallsreiche Namenswahl war durchaus sinnvoll. Der Vater wollte damit ausdrücken, dass der Sohn, dessen Mutter keine Athenerin war, zu seiner Familie gehörte. Denn nach seinem eigenen Gesetz durfte der Sohn kein Bürger von Athen sein. Kurz vor seinem Tod sorgte er dafür, dass der junge Perikles unter Umgehung des väterlichen Gesetzes doch in die Bürgerliste eingeschrieben wurde. Schon in der ersten Demokratie der Weltgeschichte galten, wie die Episode zeigt, für politische Prominenz manchmal andere Regeln als für Normalmenschen.
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