Die antiken Griechen hielten von sich selbst sehr viel. Nach eigener Deutung waren sie auf allen denkbaren Gebieten die Besten – seien es Politik, Wissenschaft, Architektur, Literatur, Kunst oder Sport. Dementsprechend trauten sie anderen Völkern und Kulturen nicht allzu viel zu. Sie hielten sie für „Barbaren“, eine Bezeichnung, die sehr früh auftauchte und zunächst all jene Menschen charakterisierte, die nicht Griechisch sprachen, sondern welche für die an akustische Wohllaute gewöhnten Ohren der Griechen beleidigende, unverständliche Geräusche von sich gaben. So entstand der lautmalerische Begriff „Barbaren“. Im Lauf der Zeit wurde er zu einem allgemein abwertenden Kulturbegriff erweitert: „Barbar“ zu sein hieß nun, insgesamt rückständig und unzivilisiert zu sein.
Dabei vergaßen die Griechen geflissentlich, dass sie selbst erst durch „Barbaren“ jene herausragenden Standards erreicht hatten, derer sie sich gerne rühmten und für die sie auch heute noch bewundert werden. Ohne die vielfältigen Impulse, die sie von den fortschrittlichen Völkern des Vorderen Orients – allen voran den Anatoliern, den Ägyptern und den Babyloniern – empfangen hatten, hätten sie es nie bis zur ersten europäischen Hochkultur gebracht.





