Der Autor holt weit aus und stellt den Russland-Feldzug in den Kontext der Kriegsge-schichte seit dem 16. und 17. Jahrhundert sowie der Konflikte in Europa seit 1792. Letztere erklären mit, warum Napoleon sich 1812 auf ein so gewagtes Unternehmen einließ. Geplant als Feldzug mit einem raschen entscheidenden Sieg, geriet es jedoch angesichts der russischen Kriegstaktik des Rückzugs in die Weiten des Zarenreichs zum Fiasko. Eingehend geschildert – und durch zeitgenössische Zeugnisse belegt – werden die täglichen Plagen der einfachen Soldaten wie der Offiziere, die Folgen des wachsenden Mangels an Nahrung, Kleidung und Transportmitteln, die katastrophale Lage der Kranken und Verwundeten sowie die angesichts der allge-meinen Not immer stärker um sich greifende Eigensucht.
Höhepunkte sind der Brand von Moskau, der oft geschilderte Beresina-Übergang und schließlich die endgültige Katastrophe des napoleonischen Heeres im litauischen Wilna. Dass nur rund ein Zehntel der Soldaten der Grande Armée überlebte und diese selbst größtenteils von ihren Entbehrungen und Verwundungen gezeichnet blieben, wird eindrucksvoll dargestellt.
Das Buch ist bisweilen etwas weitschweifig, und in manchen Einzelheiten nicht immer ganz fehlerfrei, aber dennoch eindrucksvoll und über weite Strecken äußerst spannend. Zwar ist die Literaturauswahl etwas willkürlich, und manche Darstellungen zur Alltagsgeschichte der Soldaten Napoleons werden nicht einbezogen, doch fällt dies angesichts der Fülle dessen, was über die damalige Zeit veröffentlicht worden ist, kaum ins Gewicht. Insgesamt handelt es sich um ein packendes und das Mitleid des Lesers ansprechendes Buch über eine der größten Kriegskatastrophen in der europäischen Geschichte.
Rezension: Prof. Dr. Michael Erbe





