Als Tochter des glücklosen „Winterkönigs“, Gattin des Herzogs Ernst August von Braunschweig-Lüneburg, Tante der Liselotte von der Pfalz und Mutter des ersten welfischen Königs auf dem englischen Thron, gehört Sophie von Hannover zu den bemerkenswertesten Fürstinnen ihrer Zeit. Geistreich und von sarkastischem Witz, dabei pragmatisch und lebensklug, so stellt sie sich der Nachwelt dar. Diese wird noch am ehesten durch den schönen Herrenhauser Schloßpark bei Hannover an die Fürstin erinnert, war sie doch dessen Schöpferin. Über ihr Leben sind wir durch zahlreiche Briefe, vor allem aber durch ihre ausgesprochen lesenswerten Memoiren gut unterrichtet. Dieser Text ist auch Grundlage der Biographie, die nun Karin Feuerstein-Praßer der Kurfürstin von Hannover widmet. Durch die ansprechende, wenn auch zuweilen unnötig salopp geschriebene Darstellung gewinnt der Leser einen guten Einblick in das wechselvolle Schicksal der Sophie. Allerdings hätte man sich eine größere quellenkritische Distanz zum Memoirentext gewünscht, wurde dieser doch mit dem Wunsch einer nachträglichen Sinnstiftung verfaßt. Bisweilen wirken auch die psychologisierenden Spekulationen über die unbekannten Gefühlszustände der Kurfürstin eher peinlich. Und schließlich ist bedauerlich, daß die zahlreichen Gemälde von Sophie nicht als historische Quelle für deren Repräsentation und Selbstverständnis genutzt wurden.
Rezension: Talkenberger, Heike





