Trotz der oft schwierigen Quellenlage gelingt der Autorin ein erstaunlich facettenreiches Bild. Auf der einen Seite sehen wir Eltern ebenso wie Ärzte bemüht um das kranke Kind. Auch wenig bemittelte Eltern nahmen häufig große Opfer auf sich, um ihr krankes Kind selbst zu betreuen und ihm eine möglichst gute medizinische Versorgung zukommen zu lassen. Auch behinderte Kinder wurden, so- weit möglich, in der Familie belassen. Einige Quellenbelege sprechen dafür, dass Ärzte Kinder als Patienten durchaus ernst nahmen.
Der Leidensweg eines Kindes aber war dann unausweichlich, wenn ein familiäres Netz fehlte. Eines der eindrucksvollsten Kapitel des Buchs befasst sich mit den Zuständen in den Waisenhäusern, wo Kinder lediglich als Arbeitskraft angesehen und schonungslos Gesundheitsrisiken ausgesetzt wurden. Nur als nützliches, arbeitsfähiges Mitglied der Gesellschaft hatten Kinder hier eine Existenzberechtigung; auch dies ist ein Aspekt des angeblich so sehr von humanen Ideen geleiteten 18. Jahrhunderts.
Rezension: Talkenberger, Heike





