„Was kann uns altes Geschirr erzählen?“, fragen die Ausstellungsmacher der Ausstellung. Erstaunlich viel – das zeigt die Schau, die den Objekten die Geschichte dahinter entlockt. Seit dem Mittelalter war „Pottland“-Keramik ein Export-Schlager. Sie war innovativ, formschön, für jedermann erschwinglich und gelangte so bis in die Haushalte Amsterdamer Kaufleute und englischer Bauern. Besucherinnern und Besucher der Ausstellung erfahren, wie Keramik hergestellt wurde und wie die Töpfereiprodukte quer durch Europa und bis nach Übersee transportiert wurden. Auch, wie der Alltag der Töpfer und ihrer Familien aussah und wie man überhaupt Informationen aus den alten Tongefäßen entnehmen kann, wird in der Ausstellung thematisiert.
Der zur Ausstellung publizierte Katalog gibt weitere Einblicke in die spannende Geschichte der 850 Jahre alten Töpfertradition der Region. In 14 Aufsätzen beleuchten Archäologen und Historiker viele bisher unbekannte Details der Keramikgeschichte. In einem einleitenden Aufsatz schlägt beispielsweise der Mittelalterarchäologe Hans-Georg Stephan einen Bogen von Geschichte der Töpferei im Mittelalter bis zur Neuzeit. Michael Meier, Leiter der Museen in Bad Münder, hingegen folgt der Spur der Töpfer in seinem Ort. Anhand archäologischer Untersuchungsergebnisse zeigt er, wie sich die Töpferware vor dem Hintergrund der Kulturgeschichte über die Zeit in Form und Aufwand veränderte. Und der kurze, unterhaltsame Text „Am Becher erkennt man den Zecher!“ beschreibt anhand eines birnenförmigen Humpens aus dem Jahr 1655 frühere Trinkgewohnheiten.
Im Anhang des Katalogs finden sich knapp 300 qualitativ hochwertig Abbildungen der Töpferware. Beim Durchblättern fällt auf, wie sich die einfachen und schlichten Kugelbecher über die Zeit zu wahren Kunstwerken formten. Bunte Teller und Schüsseln mit stilisierten Vögeln oder Frauengestalten sind dort zu sehen. Ab dem 18. Jahrhundert blickt man auch auf ausgefallenere Objekte, wie einen Streichholzhalter oder einen detailreichen Taschenuhrspender. So kann man in Katalog und Ausstellung zu diesem recht ungewöhnlichen Thema außergewöhnlich viel Spannendes entdecken.





