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Spannender Spaziergang durch das alte Rom
Geschichte & Archäologie

Spannender Spaziergang durch das alte Rom

In einem Asterix-Band bemerkt ein römischer Zenturio: „Ich bin zu spät geboren, in einer zu antiken Welt.“ Mit der Binse, dass die Antike, wie alle Epochenbezeichnungen, natürlich ein Konstrukt der Retrospektive ist, spielt jetzt auch der Titel des neuen Buches von Karl-Wilhelm Weeber.
Autor
Redaktion wissenschaft.de
02. März 2026
Lesezeit
2 Minuten
Rubrik
Geschichte & Archäologie

Der Altphilologe hat schon viele Bücher publiziert, mit denen er den Einstieg ins alte Griechenland und Rom auf vergnügliche Weise erleichtert. Auf gut 400 Seiten und in 15 episodisch erzählten Kapiteln unternimmt Weeber eine Reise ins antike Rom, die eigentlich eher ein Spaziergang ist: So nah und vertraut scheint vieles, was dem Leser zwischen der „Sterbekassen-Solidarität“ römischer Berufsgenossenschaften und der „Migrantopolis“ am Tiber über den Weg läuft.

Buchcover mit blauer Hintergrund, Zitronenbaum, Vögel und Titel Wir werden erst einmal da abgeholt, wo wir sind: beim Notstand in der Pflege alter Menschen, bei der Diskriminierung und beim Mobbing von Außenseitern, bei Willkommenskultur und Integrationsbereitschaft, beim durch qualmende Schlote verursachten Großstadt-Smog und im kriminellen Untergrund einer Metropole. Doch hinter der Fassade vermeintlicher Nähe verbirgt sich das völlig Andere, das Fremde, das die Antike eben doch ist.

So nah, und doch so fern: Wenn Kinder ausgesetzt und von den Pflegeeltern versklavt werden, wenn es keine Polizei und keine Staatsanwaltschaft gibt, wenn es zwar kostenlose Getreiderationen, aber keine staatliche Daseinsvorsorge gibt, wenn politische Willensbildung in der Arena stattfindet und vor allem wenn wir unfreier Arbeit in all ihren Spielarten begegnen – dann ist uns das antike Rom, so viel zeigt das Buch in aller wünschenswerten Klarheit, so fremd wie der Mond.

Weeber hat das alles nicht nur zu spannend zu lesenden Geschichten verdichtet, er bewegt sich durchweg auch auf der Höhe des Forschungsstandes. Er vereinfacht, ohne zu verflachen. So erfährt der Leser, dass Wagenrennen und Gladiatorenkämpfe nicht einfach der Volksbelustigung dienten, sondern in eine soziale Semantik eingelassen waren, die an das Selbstverständnis des Imperiums und seiner Elite rührte. Wer Lust hat, kann in den Originalquellen weiterlesen. Auch zu ihnen ist das Buch ein Wegweiser.

Wer eine Ahnung davon bekommen will, wie es sich zwischen Subura und Palatin, zwischen domus und insula lebte, der ist hier richtig. Allen, die sich gern ins antike Rom entführen und auf eine Wanderung auf dem Grat zwischen Vertraut- und Fremdheit mitnehmen lassen, denen sei dieses gefällige Kompendium bizarrer und lehrreicher Geschichten wärmstens ans Herz gelegt.

Rezension: Prof. Dr. Michael Sommer

Karl-Wilhelm Weeber
Als Rom noch nicht Antike war
Reise in die Römerzeit
Verlag Galiani Berlin, Köln 2025, 432 Seiten, € 32,–

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