Beim Eintritt wähnt man sich augenblicklich in der Atmosphäre des Nachkriegs-Wien gefangen, als die Stadt in die vier Besatzungszonen der Alliierten geteilt war. Eine Fülle von Schwarz-Weiß-Fotografien, Filmplakaten, Buchtiteln und Zeitungsartikel an den Wänden erzählt davon. Nur die Wiener Innenstadt kontrollierten Amerikaner, Briten, Franzosen und Sowjets bis 1955 aus wechselseitigem Misstrauen gemeinsam. „Die Vier im Jeep“, wie sie symbolisch genannt wurden, machten die Walzermetropole auch zu einem Agentennest an der Nahtstelle zwischen West und Ost.
Das Museum ist in drei Themenbereiche gegliedert, zwei davon sind dem Film „Der dritte Mann“ und dem gleichnamigen Roman von Graham Greene gewidmet. In der dritten Abteilung steht die Besatzungszeit im Mittelpunkt. Rund 3200 Exponate in 15 Räumen hat Gründer Gerhard Strassgschwandtner von Familien, deren Angehörige am Film beteiligt waren, privaten Sammlern und bei Auktionen erworben.
„Der dritte Mann“ gilt als der Kultfilm der Nachkriegsgeschichte Österreichs. Noch heute steht das englische Original im Wiener Burgkino dreimal wöchentlich auf dem Programm. Im Museum finden Besucher als Hintergrundinformation rund 1000 Dokumente (Schriftstücke, Fotos, Briefe, Schilder). Leider kämen fast nur Touristen, sagt der Museumsleiter, die Einheimischen glaubten, „das eh schon alles zu kennen“.
Dass er mit dem Museum auch ins Tourismusgeschäft habe einsteigen wollen, widerlegt der professionelle „Fremdenführer“ glaubhaft: „Es ist ein rein privates Filmmuseum, keine öffentliche Subvention, keine Sponsoren.“ Das Eintrittsgeld von jährlich rund 7000 Besuchern müsse zum Erhalt reichen.
Greene kam im Februar 1948 nach Wien, um für seinen Roman „Der Dritte Mann“ zu recherchieren. Vor seinem Wechsel zur Schriftstellerei hatte er sich selbst im Agentenmilieu herumgetrieben, er kannte den legendären und später entlarvten Doppelspion Kim Philby. Sehr wahrscheinlich diente dieser als Vorlage für die Titelfigur Harry Lime, im Film dargestellt vom US-Schauspieler Orson Welles. Lime war Kopf einer Bande, die mit damals kostbarem Penicillin Schmuggelgeschäfte betrieb. Später sollte Greene nicht ohne Koketterie über seinen angeblich schlechtesten Roman lamentieren. Landsmann und Filmregisseur Carol Reed machte offenbar das Beste daraus.
Das Wiener Kanalnetz bot Reed den idealen Schauplatz für Verfolgungsjagden, die er geschickt mit Licht-Schatten-Effekten ausleuchtete und Lime im Untergrund der Donaustadt einen dramatischen Tod sterben lässt. Auch ließ Reed Wien-typische Figuren auftreten, etwa einen „Hausmasta“ (Hauswart), der in Limes Diensten steht, dargestellt von dem legendären Volksschauspieler Paul Hörbiger. Bei ihm erkundigt sich die Polizei nach einem „dritten Mann“, der an der letztlich vorgetäuschten Ermordung Limes beteiligt gewesen sein soll. Der Hauswart will aber nur zwei Täter gesehen haben.





