Bei den Neuentdeckungen handelt sich um eindrucksvolle Spuren einer Technologie, die einer ganzen Epoche den Namen gegeben hat – der Eisenzeit. Sie löste in der Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. die Zeit ab, in der die deutlich weichere Bronze die Metallurgie prägte. Aus früheren Funden ist bereits bekannt, dass das Siegerland vor über 2000 Jahren bis zum Ende der Eisenzeit einen Hotspot der Metallproduktion und -verarbeitung darstellte. Nach einer jahrhundertelangen Unterbrechung lebte die Metallherstellung dann im Mittelalter erneut auf und etablierte sich nachaltig. 1965 endete zwar der aktive Bergbau – doch noch immer besitzt die metallverarbeitende Industrie in der Region im Süden Westfalens eine große Bedeutung. Die aktuellen Funde zeigen nun erneut, wie tief diese Tradition in der Geschichte wurzelt.
Wie der Landschaftsverband Westfalen-Lippe berichtet, haben die eisenzeitlichen Hüttenleute im 2. oder 1. Jahrhundert v. Chr. am Fundort “Gerhardsseifen” bei Siegen-Niederschelden eine Terrasse angelegt, in die Öfen zur Verhüttung eingebaut waren. Wie die Untersuchungen zeigen, waren diese aus einem Gemisch aus Lehm, Ton und Spreu gebaut und im Inneren wurde das Eisenerz verhüttet. Am Boden des Ofens sammelte sich dann schließlich Schlacke und schmiedbares Eisen an.
Neubau wegen „nasser Füße“
Von einem der beiden entdeckten Öfen haben sich nur die Fundamente der Ofenwand erhalten. Wie die Archäologen berichten, zeichnet sich ab, dass dieser Ofen nach kurzer Zeit aufgegeben und durch eine neue Anlage weiter oben auf der Terrasse ersetzt wurde. Diese zweite entdeckte Anlage ist heute noch fast vollständig erhalten. “Wahrscheinlich mussten die eisenzeitlichen Hüttenleute den älteren Ofen zwangsweise aufgeben”, sagt Jennifer Garner vom Deutschen Bergbau-Museum Bochum. “Unsere Ausgrabungen konnten klar nachweisen, dass bei nasser Witterung und vor allem während starker Niederschläge die Hüttenleute sprichwörtlich nasse Füße bekamen. Wahrscheinlich wurde dadurch auch der ältere Ofen beschädigt”, so die Archäologin.
Zwischen dem älteren und dem jüngeren Ofen stießen sie und ihre Kollegen außerdem auf die Überreste eines Bereichs, in dem die eisenzeitlichen Handwerker das Metall einst geschmiedet haben. Analysen des Areals und der Funde belegen, dass dort beachtliche Mengen Eisenerzeugt und verarbeitet wurden. Bei dieser Beurteilung konnten sich die Archäologen auch auf Ergebnisse eines experimentellen Projekts stützen: 2017 bis 2018 haben sie einen Nachbau eines eisenzeitlichen Ofens getestet. Aus den Ergebnissen ging hervor, dass die Anlagen ohne Unterbrechung wochenlang betrieben werden konnten.





