Selten war die Metapher passender: Die Welt hielt den Atem an. Am Samstag, dem 4. Oktober 1957, wurde bekannt, daß es der Sowjetunion gelungen war, einen Satelliten in eine Umlaufbahn um die Erde zu schicken. Besonders der westlichen Hemisphäre fuhr dieser Sputnik-Schock in die Knochen. Denn: Wer in der Lage war, einen Flugkörper in die Stratosphäre zu schicken, besaß grundsätzlich auch die Fähigkeit zu einem interkontinentalen nuklearen Schlag. Mit anderen Worten: Die Unangreifbarkeit des amerikanischen Kontinents war über Nacht zur realitätsfernen Illusion geworden. Der “Spiegel” brachte die Stimmung auf den Punkt: In der “amerikanischen Nation” sei “ein Bangen” auszumachen, “das den Gefühlen eines Mädchenpensionats beim Anblick einer Maus nicht unähnlich” sei. Nun war der Sputnik keine Maus, sondern in der Tat ein sensationelles Wunderwerk der Technik. Und dies war einem System gelungen, dem die Weltmacht USA Rückständigkeit und Minderwertigkeit in allen Belangen unterstellt hatte. Der Sputnik blieb in den folgenden Jahren der ständige “Weggenosse” aller amerikanischen Präsidenten. Die Debatte über den Zustand von Bildung, Wissenschaft, Raumfahrt und Nationale Sicherheit nahm eine zentrale Stellung in der Innenpolitik ein, bis hin zur Entscheidung, amerikanische Astronauten auf den Mond zu schicken.





