In dem Handbuch „Staatsformen“, das Alexander Gallus und Eckhard Jesse herausge?bracht haben, werden Modelle politischer Ordnung vom Altertum bis zur Gegenwart aus realgeschichtlicher wie ideengeschichtlicher Perspektive beleuchtet. Es will eine erste vergleichende Geschichte der Staatsformen und politischen Systeme sein und eine „historische Analyse mit vergleichend-politikwissenschaftlicher Methode“ verbinden. Zu Beginn bietet Gallus eine Typologie von Staatsformenlehren. Es folgt eine Analyse politischer Modelle von der Antike bis ins 20. Jahrhundert. Jesses abschließender Vergleich bringt bloße Wiederholung. Roland Sturm disku?tiert Perspektiven des Staates im 21. Jahrhundert, ist opti?mistisch, doch erfreulich realistisch. Die meisten Beiträge haben für sich genommen beachtliches Niveau, doch mit der Ausnahme des Beitrags von Uwe Backes über das 19. Jahrhundert gelingt es nicht, die Fachkulturen zweier so nah verwandter Fächer zusammenzuführen. Historiker und Politologen zitieren jeweils fast ausschließlich ihresgleichen, wenn Politologen historisch schreiben, wird es kläglich, während Historiker sich auf vergleichbare Aus?flüge in die Politologie gleich gar nicht einlassen. Begrifflich wie sachlich gibt es „Staat“ im heutigen Sinn zwar erst seit dem 19. Jahrhundert, auch wenn der entscheidende Qualitätssprung durch die Französische Revolution hier minimiert wird. Aber wir erfahren in buntem Durcheinander, daß es ihn in der Antike durchaus gegeben habe, trotz fehlenden Begriffs, in Mittelalter und Frühneuzeit hingegen nicht, nicht einmal den Prozeß der Staatsbildung. Warum es ihn dann überhaupt gibt, bleibt rätselhaft. Bei solcher Begriffsverwirrung hätte man wenigstens auf den unreflektierten Eurozentrismus verzichten können. Wie in der Antike hat es so etwas wie „Staat“ auch im alten Asien und anderswo gegeben. Aber außereuropäische Staaten tauchen in dem Buch erst im 20. Jahrhundert auf, ohne daß nach ihrer Herkunft gefragt würde. Man kann aus dem Sammelband im einzelnen reiche Belehrung schöpfen, als Ganzes ist er kaum über die übliche Buchbindersynthese hinausgekommen.
Rezension: Reinhard, Wolfgang





