Die Polis war der zentrale Lebensraum eines jeden Griechen. Durch die Teilnahme an der Volksversammlung und am Gericht, den Besuch von Theater und Gymnasion, gemeinsame Opfer und Kulthandlungen und nicht zuletzt durch den Dienst als Soldat in der Schlachtreihe wurde die enge Verbundenheit zur eigenen Polis immer wieder aufs Neue manifestiert. Mit den Eroberungszügen Alexanders des Großen und den darauffolgenden Kämpfen der Diadochen änderten sich die politischen, aber auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der griechischen Polis grundlegend. Lange galt diese Epoche als Zeit des Verfalls der Poliskultur. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierte Schwerpunktprogramm „Die hellenistische Polis als Lebensform“, dessen erste Ergebnisse nun in Buchform vorliegen, trägt wesentlich dazu bei, diese ältere Forschungsmeinung endgültig zu überwinden. Die Aufmerksamkeit wird nun vielmehr auf den Wandel und die Weiterentwicklung der Polisstrukturen gerichtet, um zu einem besseren Verständnis der „Stadtbilder im Hellenismus“ zu gelangen.
Doch welche Auswirkungen hatte die Entstehung der hellenistischen Königreiche konkret auf die Polisgemeinden? Welche urbanen Veränderungen kennzeichnen die Polis im Hellenismus? Wie wurde dieser Wandel von den Polisbürgern wahrgenommen? Diese übergeordneten Fragestellungen werden in dem aus Klassischen Archäologen und Althistorikern bestehendem Kooperationsprojekt mit einer großen Zahl an regionalen Einzelstudien verknüpft, wodurch die Beschäftigung mit der hellenistischen Stadtkultur auf eine neue Grundlage gestellt wird. Insgesamt 17 Aufsätze nähern sich dem Phänomen Polis aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln. Besonders wird die architektonische Ausgestaltung des Stadtraumes mit Gymnasien, Theatern und Säulenhallen betrachtet, ebenso zeittypische politische Strukturen wie etwa Zusammenschlüsse mehrerer Polisgemeinden. Darüber hinaus thematisieren Beiträge beispielsweise auch die Rolle der Bürgergemeinde bei Festen und Opfern. Das Buch wird mit einem hilfreichen Register beschlossen; Pläne, Karten und Bilder helfen dabei, die Beschreibungen der archäologischen Befunde entsprechend zu verorten.
Rezension: Benedikt Boyxen





