Am Abend des 8. Juni 793 lag das berühmte Kloster auf der Insel Lindisfarne an der englischen Ostküste von Northumberland in Trümmern. Die Kirche war geschändet, die wertvollen Schätze waren gestohlen und die Mönche tot oder als Sklaven entführt. Das Blut der heiligen Männer war vor dem Altar vergossen, und ihre Körper waren wie Abfall in den Straßen niedergetrampelt worden, wie Alkuin (um 730–804), ein angelsächsischer Gelehrter, schrieb. Was genau an diesem Tag geschah, lässt sich bis heute nicht vollständig rekonstruieren. Eines aber ist sicher: Die Wikinger haben in diesem Moment die Weltbühne betreten und die Grundlage für einen bis heute fortwirkenden Mythos gelegt.
Irgendwann im Lauf des Tages müssen am Horizont vor Lindisfarne die Segel von Langschiffen erschienen sein. Vielleicht waren die Männer auf den Schiffen den Mönchen bereits bekannt, und ihr Auftauchen war keine Überraschung, weil sie bereits zuvor als friedliche Händler nach Lindisfarne gekommen waren. Vielleicht versetzte das Auftauchen ihrer Segel am Horizont die Mönche von Lindisfarne aber auch in Angst und Schrecken.





