von ANNA JOISTEN
Wer vor rund 2000 Jahren ins römische Mainz kam, muss sie schon von weitem gesehen haben: 12 bis 13 Meter hoch, auf der Spitze eine bronzevergoldete, in der Sonne glänzende Jupiter-Statue. Die Rede ist von der Großen Mainzer Jupiter-Säule. Bürger der Stadt hatten das Denkmal aus Lothringer Kalkstein im 1. Jahrhundert n. Chr. dem obersten Staatsgott Jupiter für das Wohl des Kaisers Nero gestiftet.
1904/05 entdeckte man in der Mainzer Neustadt die Überreste der Säule – in mehr als 2000 Bruchstücke verteilt. Das Interesse war groß, handelte es sich doch um die älteste und größte bis dahin im deutschsprachigen Raum gefundene Jupiter-Säule. Seit 1963 wurde sie in der Steinhalle im Landesmuseum Mainz ausgestellt.
2015 begannen aufwendige Restaurierungsarbeiten an der heute noch knapp 9,2 Meter hohen Säule, die 2021 ihren Abschluss fanden. Dabei konnten Wissenschaftler Details der umfangreichen Verzierung wieder sichtbar machen und mittels Computertomographie auch das Innenleben der Säule erforschen.
Wie genau die Restaurierung vonstattenging, stellt ein Sammelband vor, an dem zahlreiche Fachleute beteiligt waren. Das reichbebilderte Buch skizziert nicht nur die Restaurierungsarbeiten und beleuchtet etwa Materialuntersuchungen und technische Analysemethoden, sondern gibt auch eine umfangreiche Einführung in die lange Geschichte und das faszinierende Bildprogramm der Säule.
Interessante Einblicke liefert zudem ein Kapitel, das sich mit dem topographischen Kontext des Denkmals befasst. Es stellt neue Grabungsbefunde am sogenannten Dimesser Ort vor – der Siedlung im römischen Mainz, deren Bewohner die Säule für Kaiser Nero errichten ließen. Im Zusammenhang mit den Inschriften der Säule und dem dazugehörigen Altar ermöglichen die Grabungsbefunde Rückschlüsse auf das rege kultische Leben der römischen Bürger in diesem bislang weniger bekannten Stadtviertel.





