Im Sommer des Jahres 1461 blickte Flavio Biondo (1392–1463) vom Monte Sant’ Angolo auf die Ruinen eines gewaltigen Gebäudekomplexes hinab. Die Landschaft rund um die italienische Stadt Tivoli war übersät mit antiken Ruinen, denn einst hatte sich hier die Elite Roms ihre Sommerresidenzen erbaut. Die schiere Größe des Areals, das Biondo nun betrachtete, erklärten sich die Anwohner damit, dass es sich um die antike Stadt Tibur handeln müsse. Doch Biondo, Humanist, Topograph und einer der Gründerväter der modernen Archäologie, erkannte schnell, worum es sich eigentlich handelte: um die Überreste der Villa Hadriana.
Kaiser Hadrian war in Rom schon früh als engagierter Bauherr in Erscheinung getreten. An den Bauten, die unter seine Ägide entstanden, hatte er offenbar insofern einen über die reine Stiftung hinausgehenden Anteil, als er sich für Architektur begeisterte und sich nicht scheute, auf die Planung Einfluss zu nehmen. Der antike Historiker Cassius Dio (um 163–nach 229) berichtet, Hadrian sei noch zu Zeiten seines Vorgängers Kaiser Trajan (98–117) mit dessen Chefbaumeister Apollodor von Damaskus (um 65–um 130) aneinandergeraten. Der Architekt habe die von Hadrian vorgezogenen Kuppelbauten als „Kürbisse“ verspottet. Cassius Dio schreibt weiter, Hadrian habe Apollodor nach seiner Machtübernahme erst verbannt und dann sogar unter einem Vorwand hinrichten lassen. Diese Darstellung gilt heute allerdings als eher unwahrscheinlich.





