Die Erschließung eines Gewerbegebiets der Stadt Heppenheim stand am Anfang der Fundgeschichte: Im Zuge der Arbeiten tauchten Hinweise auf, dass im Boden Spuren der Vergangenheit schlummern. Zunächst wurde das Areal deshalb vorsichtig mit Baggern vom Oberboden befreit. Es erschienen dabei zunächst vielversprechende Verfärbungen des Untergrunds, die anschließend von einem Grabungsteam des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen genau untersucht wurden.
Nach und nach förderten die Archäologen so die Spuren einer neolithischen Siedlung aus der Zeit um 5000 v. Chr. zutage, die somit zeitlich der Kulturstufe der sogenannten Linearbandkeramik zuzuordnen ist. Sie konnten insgesamt die Überreste von über 20 Häusern dokumentieren. Die Gebäude hatten die für die Epoche typische hölzerne Grundstruktur mit lehmverputzten Wänden und besaßen beachtliche Ausmaße: eine Länge von bis zu 25 Metern und eine Breite von rund sieben Metern. Diese Größe sei darauf zurückzuführen, dass die Häuser sowohl der Unterbringung der jeweiligen Familie als auch der Vorratslagerung dienten, erklären die Archäologen.
In Holz gefasste Wasserstelle
Wie sie betonen, ist das Highlight der Entdeckungen allerdings der Brunnen der Siedlung, dessen überraschend guter Erhaltungszustand dem am Fundort noch immer hoch anstehenden Grundwasserspiegel zu verdanken ist. Konkret stieß das Grabungsteam auf einen rechteckig gesetzten Brunnenkasten, der aus miteinander verzapften und bearbeiteten Hölzern konstruiert war. Werkzeuge oder Elemente aus Metall gab es zu dieser Zeit noch nicht. An den Resten des Brunnens lässt sich deutlich das beachtliche handwerkliche Können erkennen, über das die Menschen bereits vor 7000 Jahren verfügten, sagen die Forscher.
Auch weitere Funde gaben Einblicke in das Leben der damaligen Menschen: In den einstigen Abfallgruben der Siedlung fanden die Archäologen Keramikreste und Steinwerkzeuge sowie Hinweise auf die Viehhaltung der einstigen Bewohner des Ortes: Es tauchten Knochen von Rindern, Schafen und Ziegen auf. Funde von Rothirschknochen belegen zudem, dass Wild ein Bestandteil der Ernährung war. Auch Pferdeknochen fanden die Archäologen – ob diese Nutztiere allerdings ebenfalls auf dem Speiseplan standen, bleibt unklar.
Eine weitere Besonderheit im Rahmen der Entdeckungen sind die Spuren eines Kindergrabes innerhalb des Siedlungsareals, berichten die Archäologen. Dies erscheint ihnen zufolge überraschend, denn normalerweise fanden Bestattungen zu dieser Zeit außerhalb der Siedlung statt. Von genaueren Untersuchungen des Grabes erhoffen sie sich nun Hinweise auf den Hintergrund des ungewöhnlichen Bestattungsortes.





