Am 23. Juli 1983 überfielen Mitglieder der tamilischen Befreiungsbewegung „Libera‧tion Tigers of Tamil Eelam“ (LTTE), kurz „Tamil Tigers“, eine Patrouille der sri-lankischen Armee aus dem Hinterhalt und töteten 13 Soldaten. Die Regierung wollte die Soldaten in aller Stille beisetzen lassen, um Racheakte zu vermeiden. Aber die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer, und die Singhalesen machten in allen Teilen des Landes Jagd auf Tamilen. Das Pogrom forderte viele Opfer, Schätzungen schwanken zwischen einigen hundert und einigen tausend. In einem Gefängnis brachten singhalesische Häftlinge 53 Tamilen um. In städtischen Gebieten wurde beobachtet, dass die Mörder mit Wählerlisten in der Hand die Häuser der Tamilen identifizierten. Es muss also vor dem Überfall vom 23. Juli schon Vorbereitungen für ein Pogrom gegeben haben. Die Ereignisse des Juli 1983 signalisierten den Beginn der heißen Phase des Bürgerkriegs, der erst 2009 mit dem Sieg der Armee über die LTTE endete.
Der ethnische Konflikt zwischen Singhalesen und Tamilen hatte schon seit langer Zeit geschwelt. Die beiden Ethnien sind sich physisch sehr ähnlich. Auf den ersten Blick können Angehörige beider Gruppen oft selbst nicht feststellen, wer zur anderen Ethnie gehört. Erst wenn die Menschen zu sprechen beginnen – entweder Tamil oder Singhalesisch –, unterscheiden sie sich. Das Tamil ist eine dravidische Sprache mit einer eigenen Schrift, das Singhalesische ist eine indo-europäische Sprache, die vor 2000 Jahren von buddhistischen Einwanderern aus Nordindien nach Sri Lanka gebracht wurde. Nur sehr wenige Einwohner Sri Lankas beherrschen beide Sprachen.
Als Sri Lanka, damals noch Ceylon, 1948 von der Kolonialmacht Großbritannien in die Unabhängigkeit entlassen wurde, regierte eine kleine Englisch sprechende Elite das Land, der Singhalesen und Tamilen angehörten. Die Tamilen hatten sich früher als die Singhalesen in die von der Kolonialregierung und christlichen Missionaren betriebenen Bildungsinstitutionen gedrängt und so eine große Zahl von Posten im Regierungsdienst errungen. Ein Grund dafür: Die Provinz Jaffna im Norden der Insel, in der die meisten Tamilen lebten, war karg und bot nur geringe Möglichkeiten, in der Landwirtschaft seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Die Singhalesen lebten dagegen im fruchtbaren Süden der Insel. Ihre Elite stammte aus den Kreisen der Großgrundbesitzer. …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 07/2013.
Prof. Dr. Dietmar Rothermund





