Für die großen Zeremonien am Steinkreis von Stonehenge und der benachbarten Siedlung Durrington Walls reisten vor knapp 5000 Jahren wahrscheinlich Tausende von Menschen von weither an. Vor allem zu den Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen mussten demzufolge große Menschenmengen verköstigt werden. Was es dabei zu essen gab und woher die Speisen kamen, verraten Essensrückstände in Tongefäßscherben und Tierknochen, die bei Ausgrabungen in Durrington Walls gefunden wurden.
Nüsse und Früchte als Steinzeitschmaus
Den archäologischen Funden zufolge wurden für die großen Feierlichkeiten massenhaft Schweine aus der gesamten Umgebung nach Stonehenge und Durrington Walls gebracht und dann vor Ort geschlachtet. Das Fleisch wurde anschließend sowohl gekocht als auch über dem offenen Feuer gegrillt, wie die Rückstände belegen. Dazu gab es außerdem Milch und Milchprodukte. Nach Aussagen von Forschern um Mike Pearson vom University College London war die Zubereitung und Verteilung dieser Speisen zudem für diese frühe Ära überraschend gut organisiert.
Doch speziell im Winter, beispielsweise zur Wintersonnenwende am 21. Dezember, könnte in Stonehenge und Durrington Walls noch eine besondere Stärkung gereicht worden sein: eine Art Brot oder Fladen mit Früchten und Nüssen. Hinweise darauf liefern Reste von Haselnüssen, Schlehen, Wildäpfeln und anderen Früchten, die teilweise erhitzt worden waren. “Dank des Stonehenge Riverside Projekts haben wir nun Funde, die uns verraten, dass die Menschen dort Zugang zu nahrhaften Früchten und Nüssen hatten und dass sie diese vielleicht sogar zu gekochten oder gebackenen Speisen verarbeiteten”, sagt Susan Greaney, Historikerin der Stiftung English Heritage.
Kraftnahrung für Zeremonien und Reisende
Nach Ansicht von Greaney und ihren Kollegen könnten die Besucher von Stonehenge für ihre winterlichen Zeremonien aus diesen Zutaten eine Art Kraftnahrung zubereitet haben. “Wir wissen, dass das Feiern des Mittwinters für die Erbauer von Stonehenge wichtig war”, sagt Greaney. “Indem sie Tierfett mit den Haselnüssen und Früchten mischten, könnte sie eine kalorienhaltige und haltbare Kraftnahrung produziert haben”, sagt die Historikerin.
Möglicherweise entstanden unter Zusatz von Getreide, gemahlenen Haselnüssen oder Eicheln sogar schon erste mit Früchten und Nüssen gefüllte Pasteten. Diese neolithischen Leckereien könnten dann wie Fladen auf einem heißen Stein oder in einem Keramiktopf über dem Feuer ausgebacken worden sein. “Solche Speisen könnten bei den Feierlichkeiten, aber auch zur Stärkung zwischendurch gegessen worden sein”, sagt Greaney. “Das Teilen solcher Speisen trug zur sozialen Bindung der Gemeinschaft bei und ermöglichte es den Menschen, selbst von weither anzureisen. Wir werden wahrscheinlich nie erfahren, welche Rezepte sie damals bevorzugten, aber es ist nett, sich vorzustellen, dass die Reisenden in Stonehenge mit Tabletts voller Früchtebrot empfangen wurden.”





