Es geschieht auf Grund der außerordentlich bestürzenden Situation in den europäischen Ländern und in meinem eigenen Land, Deutschland, dass ich es wage, mich persönlich an Sie zu wenden.“ So leitete Dietrich Bonhoeffer im Oktober 1934 seinen Brief an Gandhi ein. Der evangelische Theologe, den die Nazis wenige Tage vor Kriegsende hinrichteten, hatte bereits während seiner Zeit als Vikar in Barcelona 1928 seine Bewunderung für den indischen Freiheitskämpfer ausgedrückt.
Mit Beginn der NS-Diktatur stellte sich für Bonhoeffer die konkrete Frage, ob sich Gandhis Konzept der Satyagraha als Vorbild für den christlichen Widerstand in Deutschland eigne. Ernüchtert durch die zahllosen Christen, die sich mit dem Regime arrangierten, fragte er im August 1934 als Vertreter der Bekennenden Kirche auf einer ökumenischen Konferenz in Dänemark: „Müssen wir uns von den Heiden im Osten beschämen lassen?“





