Bücher Lebenswege von „Königskindern“ In Zeiten von Krieg und Flucht ist die Auseinandersetzung mit historischen Exilerfahrungen hochaktuell. Diesem Thema widmete sich die Ausstellung „Königskinder. Das Schicksal des Winterkönigs und seiner Familie“ im Kurpfälzischen Museum in Heidelberg. Die neun Beiträge des vorliegenden Bands dokumentieren die Ergebnisse einer Tagung, die die Ausstellung im Februar 2020 beschloss. Sie beleuchten die Strategien, Lebenswege und Handlungsspielräume Friedrichs V. und Elisabeth Stuarts und insbesondere ihrer männlichen Kinder. Ungeachtet der Schwerpunktsetzung eröffnet der Band ein bisher wenig beachtetes Forschungsfeld. Die Lebenswege der „Königskinder“ der Linie Pfalz-Simmern stehen exemplarisch für adelige Exilerfahrungen infolge des Dreißigjährigen Kriegs. Der Sturz Friedrichs V. und seiner Gemahlin nach dem Böhmischen Aufstand führte zur Isolation der Familie. Noch zu Lebzeiten versuchten sie, im niederländischen Exil die Exklusion aus der europäischen Adelsgesellschaft rückgängig zu machen. Den Verlust der böhmischen Königs- und Pfälzer Kurwürde deuteten sie daher als gottgewollte Notwendigkeit und Prüfung für ihre Kinder. Im 18. Jahrhundert folgten Autoren dieser Deutung. Zudem diente die Geschichte als Lehrbeispiel, um junge Adelige an ihre Familienpflichten zu erinnern. Dem ältesten Sohn Karl Ludwig gelang es trotz zeitweiliger Gefangenschaft im Dreißigjährigen Krieg, das Haus wieder in der europäischen Fürstengesellschaft zu etablieren. Mit der Schaffung der achten Kurwürde 1648 war ihm eine Regierungslaufbahn beschieden. Rupert machte sich im Englischen Bürgerkrieg verdient und bewegte sich in der Folge in den höchsten englischen Adelskreisen. Daneben machte er sich im Handel einen Namen. Eduard etablierte sich am französischen Hof, in-
dem er ohne Rücksprache mit den Eltern konvertierte und die Katholikin Anne Gonzaga ehelichte, mit der er drei Töchter zeugte und geschickt verheiratete. Er verkehrte in den Kreisen um Anna von Österreich, Kardinal Mazarin und den noch unmündigen Ludwig XIV. und wirkte als pfälzisch-französischer Interessenvermittler.
Sven Externbrink/Susan Richter (Hrsg.), Königskinder. Exilerfahrungen und Lebenswege der Pfälzer Wittelsbacher im Europa des 17. Jahrhunderts. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2024, 205 Seiten, € 54,–.
Louise-Hollandine floh aus den Niederlanden nach Frankreich und konvertierte zum Katholizismus. Mit Eduards Hilfe und Fürsprechern am französischen Hof stieg sie 1664 zur Äbtissin des Zisterzienserinnenklosters Maubuisson auf. Ihre Schwester Sophie wurde durch ihre Ehe mit Ernst August von Braunschweig und Lüneburg Kurfürstin und designierte englische Thronfolgerin. Sie wirkte fernab von Heidelberg an der Umgestaltung der Residenzen in Osnabrück, Hannover, Iburg und Herrenhausen zu Sehnsuchtsorten mit, die ihre Verbundenheit zu ihrer Heidelberger Heimat architektonisch zum Ausdruck brachten. Dr. Marcus Stiebing





