Bücher Faszinierendes Benin Das Königreich Benin, im Herzen des heutigen Nigeria gelegen, gehört zu den unbekannteren Reichen der Weltgeschichte. Zwar sind beeindruckende Beispiele seiner Kultur als Exponate in vielen Museen zu finden, und 2008 widmete ihm das Berliner Ethnologische Museum Dahlem eine große Ausstellung, dennoch dürfte der Kreis der Kenner überschaubar sein. In den zahlreichen Überblickswerken zu den großen Reichen der Weltgeschichte taucht es in der Regel nicht auf. Zu sehr hält sich wohl noch immer die aus dem 19. Jahrhundert stammende Vorstellung vom geschichtslosen Afrika. Wieso das so ist und warum das falsch ist, demonstriert der inzwischen emeritierte Hamburger Afrika-Historiker Leonhard Harding auf eindrucksvolle Weise. Das Problem ist: Es gibt kaum schriftliche Quellen zur Geschichte Benins, dessen Ursprünge man auf das 10. Jahrhundert (europäischer Zeitrechnung) datiert, dessen Blütezeit vom 15. bis 17. Jahrhundert noch vor der Ankunft der Europäer an der westafrikanischen Küste einsetzte und das Ende des 19. Jahrhunderts Leonhard Harding
von den Briten annektiert wurde. Harding benennt die Probleme deutlich, die sich daraus für eine an westlichen Vorstellungen von Wissenschaftlichkeit (gleich Schriftlichkeit) geschulte Disziplin ergeben. Er zeigt aber auch meisterhaft, wie die neuere Afrika-Wissenschaft damit umgehen kann und welch beeindruckende Ergebnisse möglich sind. Entstanden ist ein umfassendes Panorama eines der bedeutendsten afrikanischen Reiche der Geschichte, das auf Augenhöhe mit den ersten europäischen Besuchern, zuallererst den Portugiesen, verkehrte. Harding beschränkt sich in seiner Darstellung nicht auf die Politikgeschichte und schon gar nicht auf die Interaktion mit Europäern, sondern er berücksichtigt auch Wirtschaft, Kultur und Religion Benins. Jeder, der sich für die Geschichte (zumal des vorkolonialen) Afrika interessiert, sollte den Band zur Hand nehmen, zumal dessen manchmal sehr wissenschaftlich-trockener Duktus durch die Möglichkeit lebendigster Leseerlebnisse anderer Art aufgehoben wird: Dem Buch ist nämlich eine CD beigegeben, auf der Harding viele der von ihm benutzten Quellen (meist in englischer oder deutscher Übersetzung) zur Verfügung stellt. Darunter sind etwa eine über 400-seitige Sammlung von mündlichen Überlieferungen aus Benin, aber auch Berichte europäischer Besucher. In all diesen Texten zu stöbern ist ein besonderer Lesegenuss. Prof. Dr. Jürgen Zimmerer
Leonhard Harding, Das Königreich Benin. Geschichte – Kultur – Wirtschaft. Oldenbourg Verlag, München 2010, 261 Seiten, € 34,80. Weitere Literatur Walter Schicho, Geschichte Afrikas. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2010, 181 Seiten, € 19,90. Andreas Eckert/Ingeborg Grau/ Arno Sonderegger (Hrsg.), Afrika 1500 –1900. Geschichte und Gesellschaft. Promedia Verlag, Wien 2010, 234 Seiten, € 24,90.
Die aktuellen Ereignisse in der Islamischen Republik Iran werden seit Jahren kontrovers diskutiert, dagegen tritt die lange und komplexe Geschichte des Landes oft zurück. In den Memoiren der Prinzessin Tâdsch os-Saltane (1884 –1936), einer Tochter des Schahs Nasir od-Din aus der Dynastie der Kadscharen (Regierungszeit 1794 bis 1925), wird jedoch ein Stück der politischen und kulturellen Entwicklung Irans höchst lebendig.





