Thomas Biller, Diplomingenieur und Architekturhistoriker, räumt in seinem Buch nicht nur mit populären Mythen der Templergeschichte, sondern auch mit romantischen Burgenphantasien der Tourismusbranche auf. Er unterzieht Burgen und andere Bauformen des Templerordens einer kritischen Würdigung und kommt zu dem fast unausweichlichen Schluss, dass nicht überall Templer drin sind, wo Templer draufstehen. Biller schreibt: „Denn längst ist es zum Sport geworden vermeintliche Zeugnisse der Templer zusammenzutragen, wobei auch hier die sorgfältige Prüfung allzu oft eher stört.“ Diese hat sich der Autor zum Ziel gesetzt. Auf der Basis von Schriftquellen und historischer Bausubstanz versucht er, Templerburgen eindeutig zu identifizieren und zu beschreiben. Nach einer Einführung in Mythos und Realität der Templer gibt er im ersten Teil des Buchs einen geschichtlichen Überblick über den Templerorden. Im zweiten Teil nimmt Biller einzelne Regionen und ihre Bauformen kenntnisreich und quellenorientiert in den Blick. Dabei zeigt er die regionalen Unterschiede auf: Während die Kreuzfahrerstaaten und die Iberische Halbinsel intensive Kontaktzonen zwischen Christentum und Islam waren und die langanhaltende kriegerische Auseinandersetzung einen Reichtum an Befestigungs- und Verteidigungsanlagen hervorgebracht hat, standen fern der Kampfgebiete in den anderen europäischen Niederlassungen Tätigkeiten wie Seelsorge, Landwirtschaft oder Verwaltung im Vordergrund. Ausgebaute Gutshöfe, Kirchen, Kapellen, klosterähnliche Bauten, die in der Regel nur wenig befestigt waren, prägten dort die Bauformen. Biller zeichnet in seinem Buch ein breites Spektrum der Templerbauten, das die unterschiedlichen Aufgabengebiete und die regionale Vielfalt des Ordens widerspiegelt. Das Buch richtet sich an ein breiteres Publikum, bietet gleichzeitig aber im zweiten Teil eine wissenschaftlich anspruchsvolle, auch die Fachwelt ansprechende Auseinandersetzung mit dem Thema, was sich ebenso in der einschlägigen und treffend kommentierten Auswahlbibliographie zeigt. Es ist überaus reich bebildert. Fast jede Beschreibung der Burgen und Bauten ist mit zum Teil großformatigen Fotos und Grundrissen versehen. Leider lässt die Qualität des Bildmaterials manchmal zu wünschen übrig, was bei einer bauhistorischen Studie mehr als unglücklich ist. Dies soll das Verdienst Billers nur wenig schmälern, denn er macht mit seinem Panorama deutlich: „Einen Typus der Templerburg hat es nicht gegeben.“
Rezension: Dr. Karoline Döring





