Am 5. September 1972 in den frühen Morgenstunden ging die Nachricht um die Welt, dass palästinensische Terroristen in das olympische Dorf in München eingedrungen waren und israelische Sportler als Geiseln genommen hatten. Sofort griff Ehud Barak, der spätere Ministerpräsident Israels (1999 – 2001), zum Telefon und rief seinen Vorgesetzten Aharon Yariv an. Barak war Kommandeur der militärischen Spezialeinheit „Sajeret Matkal“, und er beschwor Yariv, alles zu tun, um deren Einsatz in München zu ermöglichen, denn die deutschen Sicherheitskräfte hätten nicht genügend Erfahrung mit Terroristen: „Keine Chance, dass die Deutschen das hinbekommen.“ Eine zutreffende Einschätzung, wie sich später zeigen sollte.
Die Olympischen Spiele in München bedeuteten für die Veranstalter eine große Herausforderung: Es galt, die Spiele von 1936 – diese umfassend inszenierte Schau des NS-Regimes, das der Welt seine Macht präsentieren und zugleich ein freundliches Gesicht vorgaukeln wollte – vergessen zu machen. Hans-Jochen Vogel, SPD-Oberbürgermeister von München (1960 –1972), hatte es wegen der Nazi-Vergangenheit seiner Stadt sogar für unmöglich gehalten, dass die Spiele tatsächlich nach München kommen würden. Als München dennoch den Zuschlag erhielt, sollte alles, was auch nur entfernt an den martialischen Geist der 1930er erinnern könnte, vermieden werden. Dieser Ansatz bestimmte auch das Sicherheitskonzept der Spiele: Dem „Ordnungsdienst“ zugeteilte Polizisten waren unbewaffnet, trugen eigens designte himmelblaue Uniformen und weiße Hemden. Bei Konflikten sollten sie stets freundlich auftreten und deeskalierend wirken.





