Nicht immer in der Geschichte des Papsttums fiel es dem Teufel so schwer, seine maliziösen Gaben zu verteilen, wie am Grabmal Benedikts XIV. (1740–1758) in St. Peter. Dabei hat er sich alle Mühe gegeben, möglichst unerkannt zu bleiben. Während sich der Papst, den Segen spendend, von seinem Thron erhoben hat und die personifizierte „Göttliche Weisheit“ verzückt vom unteren Sokkel zu ihm hinaufschaut, ist Beelzebub als geflügelter, pausbäckiger Putto verkleidet am rechten Sockelrand erschie?nen. Unter dem Arm trägt er ein von Münzen überquellendes Füllhorn, das er der dort sitzenden weiblichen Frauengestalt darbietet. Die scheint jedoch über das Geschenk gar nicht glücklich und wehrt ihn so angewidert ab, daß er das Gleichgewicht zu verlieren und rückwärts nach hinten zu fallen droht. Denn auch die Wandlungsfähigkeit des Teufels ist begrenzt, und selbst das beste Kostüm kann bei näherer Betrachtung die „Uneigennützigkeit“, denn um diese handelt es sich bei der Frauengestalt, nicht über den wahren Charakter des kleinen Gesellen hinwegtäuschen: Auf den zweiten Blick entpuppt sich der marmorne Federflaum der Engelsflügel als Schwingen einer Fledermaus. Schaut man noch genauer hin, stellt man fest, daß sich die Spitze des Füllhorns, das er unter dem Arm trägt, als Schwanz des Teufels erweist.
Der Teufel in St. Peter – eine wahrlich verblüffende Entdeckung. An jedem anderen Ort würde man ihn vermuten, nur nicht hier, und so stellt sich die Frage, was ihm wohl zu seinem Auftritt in der Hauptkirche der katholischen Christenheit verholfen haben mag. Um sie zu beantworten, bedarf es eines Blicks auf die politischen und gesellschaftlichen Umstände, unter denen das Grabmal entstanden ist. Mit dem Kirchenstaat stand es nicht zum besten, als im Juni 1740 der Bologneser Erzbischof Prospero Lambertini zum Papst gewählt wurde. Außenpolitisch hatte Rom fast jeden Einfluß verloren. Hinzu kam, daß die Autorität des Papstes als Haupt der römisch-katholischen Kirche durch den Triumph der Aufklärung ins Wanken geriet. Damit nicht genug: Auch wirtschaftlich war der Kirchenstaat am Ende. Ein Schuldenberg von etwa 56 Millionen Scudi hatte sich angehäuft, nach dessen Ursachen der frischgewählte Papst nicht lange zu fragen brauchte. Durch die besondere Verfassung des Papsttums als einer Wahlmonarchie schrieb sich seine Geschichte nicht zuletzt als Folge von Interessenkonflikten, klientelärer Bindungen und rücksichtslos verfolgter Familienpolitik. In einer Zeit, in der die einzige soziale Absicherung die Familie darstellte, galt es, alles auf eine, ebendie familiäre Karte zu setzen. Wer in die kuriale Karriere seines Sohnes, Bruders, Neffen kräftig investiert hatte, hoffte darauf, daß diese Anlage zur gegebenen Zeit ihre Rendite tragen würde. War es tatsächlich gelungen, den eigenen Kandidaten auf den Papstthron zu heben, ließ der Segen für die Angehörigen in Form von Macht und Reichtum nicht lange auf sich warten.
Kaum ein Pontifex der frühen Neuzeit zog ohne seine Familie in den Vatikan ein, und die wichtigsten und einträglichsten Ämter der Kurie besetzten bald die Nepoten des jeweiligen Papstes, die in großer Eile ihre Einkünfte zu mehren suchten, denn das plötzliche Ableben des päpstlichen Onkels konnte die sprudelnde Quelle abrupt zum Versiegen bringen. Die Verkündigung des Wortes Gottes war zur Nebensache verkommen – der Teufel hatte leichtes Spiel: Gewaltige Summen verschwanden in den schier unersättlichen Schlünden der päpstlichen Familien.





