Erst im dritten Kapitel geht Wiemer auf die relevante Frage ein, was oder wer denn die Ostgoten eigentlich sind. Allerdings ist auch dieses Kapitel ein wenig wortreich geraten und vor allem von einem in seiner Ausführlichkeit überzogenen wissenschaftsgeschichtlichen Abriss beschwert. Der restliche Band folgt einer strikten Chronologie, beginnend mit der Konfrontation zwischen Goten und Hunnen 447 bis hin zum Tod des letzten gotischen Königs Teja 552.
Der intensive und detailreiche historische Abriss wird nur durch die beiden Kapitel IX und X unterbrochen. Diese setzen sich zum einen mit der ökonomischen Situation Italiens unter den Goten und zum anderen mit dem Verhältnis zwischen Katholizismus und gotischem Arianismus auseinander. Ein letztes, leider nur 40 Seiten umfassendes Kapitel widmet sich der spannenden Rezeptionsgeschichte unter dem Titel „Theoderich der Große – Metamorphosen einer Gestalt“. Es beleuchtet schlaglichtartig einige Stationen vom „Höllensturz“ Theoderichs in der mittelalterlichen Literatur bis zu seiner Rolle in der deutschen Politik des 19. Jahrhunderts.
Dabei kommt die mittelalterliche Rezeption leider ganz ohne Primärquellen aus und macht (bestenfalls) den Eindruck einer Pflichtübung; ganz falsche Hoffnungen weckt das Kapitelchen „Kein Held, nirgends: Theoderich im 21. Jahrhundert“, denn hier wird wiederum nur Wissenschaftsgeschichte betrieben. Zwar wäre von Umfang und Wortreichtum oft weniger mehr gewesen, dennoch wird man in Zukunft um das so schwergewichtige wie quellenreiche Werk in der Goten-Forschung nicht mehr herumkommen.
Rezension: Prof. Dr. Rudolf Simek
Hans-Ulrich Wiemer
Theoderich der Große
König der Goten – Herrscher der Römer
Biographie. Verlag C. H. Beck, München 2018, 782 Seiten, € 34,–





