Die Fülle der Verdammungen, die der „Syllabus“ von 1864 gegen die Moderne ausgesprochen hatte, machte aus Sicht des Vatikans eine Erwiderung erforderlich, in der so viel Lüge, Betrug und Irrtum in Gestalt ewig gültiger Wahrheiten die gebührende Antwort erteilt werden sollte. Dafür reichte eine päpstliche Verlautbarung allein nicht aus. Um einer Replik der katholischen Kirche den nötigen Nachdruck zu verleihen, musste nach mehr als 300 Jahren erstmals wieder ein Konzil einberufen werden.
Ganz ohne Risiko war dies nicht, denn es besteht bei Konzilen immer auch die Gefahr, dass sie eine Eigendynamik entwickeln und es zu innerkirchlicher Opposition kommt. Schließlich war die aktuelle Strategie der Kurie radikal. Sie lief darauf hinaus, dem Papst bei theologischen Grundsatzentscheidungen eine Hoheit und Stellung zu verleihen, wie sie kein Vorgänger jemals besessen hatte.





