Immer wieder berichten heutzutage die Medien darüber, wie die Millionenstädte in Nordchina in den Wintermonaten tagelang im dichten Smog versinken. Dort kommt das Alltagsleben dann mehr oder weniger zum Stillstand, Autos fahren im Schritttempo durch die Straßen, und die Menschen tragen Atemschutzmasken, wenn sie sich aus ihren Wohnungen wagen. Westliche Kommentatoren zeigen sich betroffen über das Ausmaß der Umweltverschmutzung in China. Und sie übersehen dabei, dass noch vor wenigen Jahrzehnten die Metropole London als erste Stadt der Welt ähnliche Smogtage erlebte wie heute Peking oder Jinan – mit dramatischen Folgen.
Vor 65 Jahren war es besonders schlimm. Am Abend des 4. Dezember 1952 senkte sich auf die britische Hauptstadt mit ihren damals 8,2 Millionen Einwohnern ein Nebel herab, wie man ihn noch nie erlebt hatte. Der „Great Smog“ entwickelte sich bei blauem Himmel. Über die Stadt hatte sich ein Hochdrucksystem geschoben, das seine Lage mehrere Tage lang nicht veränderte. Damit einher gingen Lufttemperaturen nahe dem Gefrierpunkt. Eine klassische Inversionswetterlage.
Die Londoner taten unterdessen, was sie an kalten Wintertagen schon immer taten: Sie griffen zu den Kohlenschaufeln und versorgten ihre Herde und offenen Kamine mit dem Brennstoff, der sie im Winter seit Jahrhunderten zuverlässig mit Wärme versorgt hatte. Im Dezember 1952 stieg der Kohlenverbrauch in der Stadt deshalb geradezu sprunghaft an. Das schuf eine verhängnisvolle Konstellation. Denn die atmosphärischen Bedingungen waren zu diesem Zeitpunkt so ungewöhnlich, dass der aufziehende „Nebel“ für die Stadtbewohner sehr schnell zur Bedrohung für Leib und Leben wurde. …
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