Wer auf den Lindauer Marktplatz kommt, hat die Qual der Wahl: Neben Cafés und Eisdielen prägen den Platz eine Statue des Meeresgottes Neptun, das prunkvolle Münster Unserer Lieben Frau und gegenüber ein großes vierstöckiges Stadtpalais. Insgesamt sechs Jahre lang war dieses „Haus zum Cavazzen“ eine Großbaustelle. Seit Abschluss der Generalsanierung im Mai 2025 wird jedoch wieder deutlich, warum das Gebäude seit Jahrhunderten zu den markantesten Sehenswürdigkeiten der Bodenseeinsel zählt.
Das Haus ist ein Stück Lindauer Geschichte: In seinem neu zugänglichen Dachstuhl lässt sich zwischen jahrhundertealten Holzbalken „der beste Ausblick der Stadt“ genießen, wie Museumsmitarbeiterin Verena Wiest erklärt. Neben seiner Architektur und prominenten Lage überzeugt das oft als „schönstes Haus am Bodensee“ bezeichnete Gebäude vor allem auch mit seiner neu gestalteten Dauerausstellung.
In drei thematisch und zeitlich gegliederten Rundgängen führt das Museum durch die Vergangenheit der Stadt. Erzählt wird von einem Reichstag des Spätmittelalters, der einst auf der Insel stattfand, vom Bau des südlichsten und einzigen bayerischen Leuchtturms Deutschlands sowie von der jüngeren Entwicklung Lindaus zum Treffpunkt von Nobelpreisträgern und Sommergästen aus aller Welt.

Zeugnis der NS-Zeit und ihrer Aufarbeitung: der Torso des „trommelnden Hitlerjungen“. · Foto: Foto: Christian Flemming
Im Haus zum Cavazzen erscheint Lindau dabei als eine Handelsstadt, die seit Jahrhunderten weit über die Region hinaus vernetzt war. Besonders die Beziehungen nach Norditalien ziehen sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung. Über Jahrhunderte hinweg transportierte der sogenannte Corriere di Lindò, der „Lindauer Bote“, Nachrichten, Waren und Menschen über die Alpen nach Mailand.
Diesem bedeutenden Handelsweg widmet das Museum einen eigens gestalteten Raum. Licht- und Soundeffekte veranschaulichen die einzelnen Etappen der Route atmosphärisch. Auf einer über drei Wände verlaufenden Karte lassen sich zudem die Überfahrten über den Bodensee und den Comer See ebenso nachvollziehen wie die Passage durch die Viamala-Schlucht oder die wenigen Nachtstationen in den Schweizer Alpen.







