Als die Anklage gegen Aspasia vor Gericht verlesen wurde, soll ihr Ehemann, der berühmte athenische Feldherr und Politiker Perikles, vor Verzweiflung in Tränen ausgebrochen sein. Gottlosigkeit warf man seiner Frau vor, Hetären sollten angeblich bei ihr wohnen und sogar für sie arbeiten. Aspasia war tatsächlich für ihre Zeit eine außergewöhnliche Frau. Man sagte ihr nach, daß sie alle Männer, mit denen sie Kontakt hatte, zum Erfolg führte. Bei Perikles war ihr das mit Sicherheit gelungen. Aber auch Aspasia selbst war nicht die typische griechische Ehefrau dieser Zeit, die, von der Gesellschaft weitgehend ausgeschlossen, daheim dem Haushalt vorstand. Sie war öffentlich präsent und in wirtschaftlichen Angelegenheiten sehr versiert. Der Erfolg dieses Ehepaares rief bald Neider auf den Plan. Hinter der Klage gegen Aspasia, die überdies noch nicht einmal aus Athen, sondern aus dem kleinasiatischen Milet kam, standen aber vor allem die politischen Gegner ihres Ehemannes, die dessen Politik torpedieren wollten. Perikles wußte sich recht unorthodox zu wehren – seine Tränen hatten Erfolg. Ob die Anklagepunkte der Wahrheit entsprachen, wurde nie geklärt, Aspasia jedenfalls wurde freigesprochen.





