Montags den 1ten May wurde in dem k. k. National-Hof-Theater aufgeführt (zum erstenmal) ‚Le nozze di Figaro‘, ‚Die Hochzeit des Figaro‘. Ein italiänisches Singspiel in vier Aufzügen. Die Musik ist von Hrn. Kapellmeister Mozart. Nüchterner könnte man eine Rezension kaum beginnen, als diese aus der “Wiener Realzeitung” vom 11. Juli 1786. Dabei hatte es das angezeigte Stück in sich – thematisch wie musikalisch. Die Vorlage, eine Komödie des französischen Literaten Caron de Beaumarchais, war in Wien nicht durch die Zensur gekommen: die adelskritischen Momente des Stückes waren der Grund. Schließlich schlagen Figaro und seine Angebetete Susanna ihrem Dienstherrn, dem Grafen Almaviva, einige Schnippchen, um diesen davon abzubringen, sein als Unrecht gebrandmarktes “Recht der ersten Nacht” von Susanna einzufordern. Mozarts Librettist Lorenzo da Ponte entschärfte die Vorlage zwar nachhaltig, doch die kritische Grundtendenz blieb erhalten. Dennoch: da Ponte gelang es, die Aufführung der Oper beim Kaiser durchzusetzen – wobei die Tatsache, daß Mozart die Musik komponiert hatte, Joseph II. wohl über manche politische Bedenken hinweghalf. Nachdem der Monarch einige Kostproben der Partitur gehört hatte, wurde Mozarts Figaro als nächstes Stück für das Hoftheater angesetzt. Doch der junge Komponist hatte Neider, und die sorgten bei der Uraufführung für Verwirrung. Unser Rezensent berichtet: “Ungestüme Bengel im obersten Stockwerke sprengten ihre gedungenen Lungen nach Kräften an, um mit ihren St! und Pst! Sänger und Zuhörer zu betäuben; und folglich waren mit Ende des Stücks die Meinungen getheilt.” Das lag nun nicht nur an den Störmanövern von den billigen Plätzen, vielmehr forderte Mozarts kühne Komposition die Hörgewohnheiten der Zuhörer heraus. Hinzu kam, daß bei der Premiere wohl auch bei Musikern und Sängern noch nicht jeder Ton saß. Die Kenner waren sich hingegen von Anfang einig, “daß die Musik des Hrn. Mozart ein Meisterstück der Kunst sei.” Und bereits bei der zweiten Aufführung war auch das Publikum vollends begeistert: Fünf mal wurde Da Capo verlangt.





