Werner-Voß-Damm 54 a, 12101 Berlin Tel. +49 (0)30 90277-6163 www.gedenkortpapestrasse.de
Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag und Sonntag 14 –18 Uhr, Montag bis Freitag 10 –14 Uhr (nur für Gruppen nach Voranmeldung), Führungen jeden Sonntag um 14 Uhr. Eintritt frei tätswerke), ist einer von vielen, deren Erinnerungen von grausamer Folter erzählen. Arno Philippsthal, der von ihm erwähnte Arzt, ist eines von mindestens 30 Todesopfern. Diese Verbrechen aus der Frühphase des NS-Terrors rückten erst in den 1980er Jahren in das Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit, auch dank der Aufklärungsarbeit der Geschichtswerkstatt. 2003 beschloss die Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg die Einrichtung einer Gedenkund Begegnungsstätte am authentischen Ort. Zehn weitere Jahre benötigte die Realisierung. Mieter mussten zustimmen, ihre Keller zu räumen, die Finanzierung und die Verantwortlichkeiten mussten geklärt werden. Zudem galt es, ein dem Ort angemessenes Gedenkstättenkonzept zu entwerfen. „Wir wollten eine behutsame, zurückhaltende Ausstellung“, erklärt Irene von Götz. „Die Ausdruckskraft der Räume und die erhaltenen Spuren sollen durch die Ausstellung unterstützt und nicht überlagert werden.“ Ausstellungsgestalter Patric Sperlich ergänzt: „Besucherinnen und Besucher sollen die Geschichte des Ortes selbst entdecken können.“ Die Ideen wurden umgesetzt: Der lange Kellergang ist leer und nur leicht beleuchtet. Links und rechts gehen Räume ab, deren Türen offen stehen. Die Originalspuren an den Wänden werden erst im Vorbeigehen erleuchtet: Hier ist ein Schriftzeichen des SA-Feldjägerkorps in die Wand geritzt, dort ein Datum. 54
Außerdem werden bestimmte Punkte am Boden angestrahlt. Eine leise Stimme berichtet von den Grausamkeiten, die an dieser Stelle verübt wurden. Unter einem Rohr, das damals als Heizungsrohr diente, erzählt der ehemalige Häftling Werner Neufließ, seien die Gefangenen stundenlang hin und her gehetzt worden, bis sie erschöpft zusammenbrachen – bei jedem Sprung über eine Bank sei ihr Kopf gegen das Rohr geschlagen. Auch der Blick in die einzelnen Räume ist unverstellt, doch an einigen Stellen sind Kopien von Originaldokumenten an der Wand angebracht. Der Überstellungsschein eines Häftlings zum Konzentrationslager Oranienburg hängt dort, auch das Foto eines Mannes, der sich nach der Haft fotografieren ließ, um seine Verletzungen zu dokumentieren. An nicht-originalen Wänden findet man Informationen zur Geschichte des Gebäudes, zur SA-Feldpolizei bzw. zum SAFeldjägerkorps, zu Inhaftierten und zu einzelnen Tätern. In einem großen Raum steht ein Glastisch, der für WorkshopArbeiten gedacht ist. Schülergruppen können hier zur Geschichte des SA-Gefängnisses arbeiten. Ob Seminare in ehemaligen Folterzellen zumutbar sind, diskutierten die Ausstellungsmacher ausführlich. Sie entschieden sich dafür, denn schließlich solle Vergangenheit nicht nur im wohlig-warmen Klassenzimmer bearbeitet werden. Arbeitsergebnisse werden so lange unter der Glasplatte des Tisches präsentiert, bis eine neue Gruppe ihre Resultate ausstellen möchte. Dies soll auch darauf aufmerksam machen, dass die Arbeit an der Gedenkstätte noch längst nicht abgeschlossen ist, dass es noch viele Leerstellen zu füllen gibt und dass Vergangenheit aufzuarbeiten immer ein Prozess ist. Seit dem 14. März 2013 können alle Besucher daran teilhaben. Jette Nagel





