Im Jahr 522 v. Chr. kam es im Perserreich zu einem Staatsstreich: Persische Adlige drangen in den Palast des Großkönigs Bardiya ein, erschlugen die Leibwächter, exekutierten Bardiya und präsentierten der vor dem Palast zusammenströmenden Menge seinen abgeschlagenen Kopf. Der antike Historiker Herodot (um 490–425 v. Chr.) berichtet, dass Bardiya in Wirklichkeit gar nicht der rechtmäßige Herrscher gewesen sei, sondern ein medischer Priester, der unbemerkt den Platz des von König Kambyses II. (529–522 v. Chr.) ermordeten Bardiya eingenommen habe. Als Kambyses an den Folgen einer Verletzung gestorben sei, habe der Priester als Bardiya, Bruder des Kambyses, die Herrschaft über das Perserreich übernommen.
Vielleicht trug sich alles aber auch ganz anders zu. Möglicherweise war es der echte Bardiya, den die persischen Adligen an jenem Tag enthaupteten. Und möglicherweise war die Geschichte von der Usurpation des vermeintlichen Betrügers nur ein Märchen, um die wahre Usurpation zu verschleiern – die Machtübernahme des Dareios. Denn Dareios war einer der sechs Verschwörer, die in den Palast eindrangen. Und Dareios war es, der schließlich die Königswürde für sich beanspruchte.





