Ein ansprechend gestaltetes, von drei Historikerinnen und einer Köchin herausgegebenes Buch macht diese Aufzeichnungen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Es bietet zunächst eine Einführung in die damalige Alltags- und Kochkultur und das persönliche Umfeld der Bürgersfrau. Im Anschluss werden 42 ausgewählte Rezepte aus der Feder der Kittin näher vorgestellt. Eine Übersetzung in an heutige Zeit angepasste Mengenangaben und Zubereitungsmethoden regt Experimentierfreudige zum Nachkochen an – wobei der ambitionierte Hobbykoch gelegentlich an seine Grenzen gerät. Wo bekommt man heutzutage noch einen ganzen Schweinskopf her?
Darüber hinaus gibt das Buch im zweiten Teil den vollständig transkribierten Originaltext des Manuskripts wieder. Ein Glossar hilft, sich in dieser Welt fremd klingender Wörter („Kräglimägli“, „Hanenhödlin“) zurechtzufinden. Die Rezepte zeugen von einer üppigen Vielfalt: Aufwendige Fleisch-, Fisch- und Geflügelgerichte, Eierspeisen, Pasteten und Kuchen, aber auch Mahlzeiten aus „Baumfrüchten und Gartengwächssen“ sowie Eingemachtes sind darunter. Manche Gerichte muten kurios an, andere wirken durchaus vertraut. Gewürze wie Ingwer, Muskat und Pfeffer sowie Zitrusfrüchte kommen oft zum Einsatz – Zutaten, die sich nur die Oberschicht leisten konnte. Überhaupt zeigt das Kochbuch, wie wichtig es zu dieser Zeit in wohlhabenden Haushalten war, seinen Reichtum zu demonstrieren – selbst im vorgeblich puritanischen Zürich.
Autorin: Dr. Anna Joisten





