Bücher Olympia in der Antike „Dir ersiegt er / stolzen Ruhm, und es tat kund seinen Erzeuger, den Akron / Heroldsruf und den neuerbauten Wohnsitz.“ Mit diesen Worten machte Pindar, der Sänger olympischen Ruhms, den Wagenlenker Psaumis aus der sizilischen Stadt Kamarina unsterblich. Dieser hatte 452 v. Chr. mit seinem Maultiergespann im olympischen Wagenrennen gesiegt. Ein olympischer Sieg brachte nicht nur dem Olympioniken Ruhm ein, auch seine Stadt hatte Anteil an der Ehre, die ein Ölzweig aus Olympia bedeutete. Umberto Pappalardo, Klassischer Archäologe und Chefausgräber in Pompeji, hat den Zauber des antiken Olympia in einem prachtvollen Bildband zu neuem Leben erweckt. Das Buch wendet sich an alle, die mehr wissen wollen über Olympia, die Spiele und den Sport in der Antike. Es entfaltet ein breites Panorama – buchstäblich vor den Augen des Lesers: von der „agonalen“, auf Wettbewerb gerichteten Ethik der Griechen über die Geschichte von Wettkämpfen seit der homerischen Epoche und die Archäologie des antiken Olympia bis hin zum Ablauf der Olympischen Spiele. Im Einzelnen handelt es sich bei den Wettbewerben um die gymnischen – also Pentathlon (Fünfkampf), Faustkampf und Pankration (eine Verbindung von Ringen und Boxen) – und die hippischen (Pferde- und Wagenrennen). Der Leser erfährt, wie sich Athleten auf die Spiele vorbereiteten, was sie aßen, um fit zu bleiben, wie man einen Sieg feierte und was die Unglücklichen erwartete, die ohne Ölzweig in die Heimat zurückkehrten. Das alles ist brillant illustriert und eingängig veranschaulicht mit Fotos, Skizzen, Rekonstruktionen und Schaubildern. Zur Hochform läuft Pappalardo auf, wenn er antike Kunst als Quelle in Szene setzt: Statuen, Vasen und Bilder bringt der Archäologe kenntnisreich zum Sprechen. So erhält der Leser ganz nebenbei Einblick in die Vorstellungswelt
der Griechen, in der sportliche Wettkämpfe einen solch breiten Raum einnahmen. Gut liest sich auch der Ausflug in die hellenistische und römische Epoche, der den Band abschließt. Man erfährt, wie ein neuer Typus von Herrschern in die Ausbildung von Athleten investierte, weshalb Gymnasien bald überall zum Stadtbild im
Umberto Pappalardo, Zu Ehren des Zeus. Die Olympischen Spiele in der Antike. wbg Philipp von Zabern, Darmstadt 2020, 112 Seiten, € 28,–. Mehr zum Thema Gunter Gebauer, Olympische Spiele. Verlag Philipp Reclam jun., Stuttgart 2020, 100 Seiten, € 10,–.
östlichen Mittelmeer gehörten. Nicht verschwiegen wird, dass sich unter den Römern auch im Osten die Wettkämpfe zusehends militarisierten: Wettkämpfe mit Waffen gehörten bald zum festen Inventar der Spiele. Der Bildband wäre rundum gelungen, wäre da nicht die Übersetzung, die an der zugegebenermaßen schwierigen Aufgabe scheitert, Pappalardos italienische Prosa in ein gefälliges Deutsch zu überführen. Die schwerfällig rumpelnden Satzungetüme stören nicht nur die Lesefreude, sie stellen passagenweise dem Verständnis kaum überwindliche Hürden in den Weg. Schade, denn dieses Buch will genossen werden. Prof. Dr. Michael Sommer





