Geschickter stellte es junge Anwalt Fidel Castro an, der eine klare ideologische Positionierung vermied, sich eher vage zu seinem politischen Programm äußerte und die Bewegung so für Kräfte aller Flügel offen hielt. Castros großes Talent war sein politisches Gespür. Er machte instinktiv das, was aus machttaktischer Sicht richtig war. So kannte er auch die Vorliebe der Kubaner für heroische, aufopferungsvolle Figuren, die aus der Zeit der Unabhängigkeitsbewegung datierte. Deren Held war mit José Martí (1853–1895) kein reiner Politiker gewesen, sondern ein Poet und Schriftsteller, ein Humanist und Romantiker. Sein Erbe war eher kultureller als politischer Natur – und wurde vom charismatischen Fidel Castro perfekt bedient, der sich in dieser Tradition sah.
Die Situation auf Kuba verlangte nach Veränderungen. Schon 1951 hatte die Weltbank in einem Gutachten auf die schwierige Lage der Insel hingewiesen. Eigentlich war Kuba nicht arm: Kein Land Lateinamerikas verfügte pro Kopf über mehr Fernseher, Telefone, Zeitungsabonnements und Automobile. Das Eisenbahnnetz galt als besonders gut. Die soziale Ungleichheit war groß, aber längst nicht so extrem wie im Rest der Karibik oder in vielen Ländern Mittel- und Südamerikas. Die Weltbank stufte Kuba daher als Nation im Mittelfeld ein, auf einer Ebene mit Spanien, Polen, Ungarn und Chile. Und doch erreichte die kubanische Wirtschaft Anfang der 1950er Jahre gerade einmal das Niveau, das sie in den 1920er Jahren, vor der Weltwirtschaftskrise, gehabt hatte.
Denn sie hing völlig von einem einzigen Produkt ab: dem Rohrzucker. Das führte zu einem ständigen Auf und Ab: Wie der Weltmarktpreis für Rohrzucker, so entwickelte sich auch die kubanische Wirtschaft. Der Zucker hatte der Insel zu Wohlstand verholfen. Doch während die Weltwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg einen großen Aufschwung erlebte, zog die Nachfrage nach Zucker nicht entsprechend mit, jedenfalls nicht ausreichend, um eine wachsende Bevölkerung in Lohn und Brot zu halten.
War Kuba zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein attraktives Ziel für arbeitssuchende Einwanderer gewesen, so litt es jetzt unter struktureller Arbeitslosigkeit. Zwischen 1955 und 1958 strömten rund 150 000 junge Menschen auf den Arbeitsmarkt. Es entstanden aber nur 8000 neue Jobs. Die Weltbank warnte daher, dass die Unzufriedenheit im Land dazu führen könne, dass ein Diktator auftrete: jemand, der vorgebe, alle Probleme sofort lösen zu können. Und genau so kam es.
Im März 1952 übernahm General Fulgencio Batista (1901–1973) in einem Staatsstreich die Macht. Batista, der von 1940 bis 1944 als gewählter Präsident regiert hatte, war kein Ideologe, sondern ein Opportunist – und korrupt bis ins Mark. Für kurze Zeit gelang es ihm, durch eine Ausweitung der Staatsausgaben die Wirtschaft zu beleben, doch spätestens 1956 war der Effekt verpufft und das Land zurück im Krisenmodus. Kuba war eine Diktator, vielen Menschen ging es schlecht. Das rief Fidel Castro und seine Gefährten auf den Plan. Von Mexiko aus machten sie sich mit der Motoryacht „Granma“ in Richtung Kuba auf.





