Griechen und Römer, auf die sich Thommen in seinem Buch beschränkt, hatten kein Bewusstein für ökologische Zusammenhänge. Doch gab es auch in der vorindustriellen Gesellschaft der Antike mas‧sive Eingriffe in die natürliche Umwelt. Neben den Rodungen waren dies vor allem der Bergbau, die Gründung von Städten und die Anlage von künstlichen Wasserwegen. Deren Auswirkungen sind indes bei weitem nicht so verheerend gewesen, wie man es im Zuge moderner Umweltdiskussionen sehen wollte und will.
Frei von jeder Aufgeregtheit zeigt Thommen – methodisch sauber – die vielfältigen Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt in der Antike auf. Zur Sprache kommen dabei auch Bereiche wie Landwirtschaft, Gärten, Tiere, Ernährung, Feuer und Wasser. In Rom treten zusätzlich die Probleme einer Großstadt hinzu. Dargestellt werden ferner schleichende oder akute Naturkatastrophen, denen der Mensch ausgesetzt war, also Veränderungen von Küstenlinien und Flussläufen, Erd‧beben, Vulkanausbrüche und Überschwemmungen.
Eng an den Quellen orientiert, trägt der Autor eine beeindruckende Fülle an Informationen zusammen. Das umfangreiche Literaturverzeichnis ist eine willkommene Dokumentation des aktuellen Forschungsstandes. Gleichwohl ist die Lektüre kein ungetrübtes Vergnügen. Wegen der Knappheit des zur Verfü-gung stehenden Raumes bleibt vieles summarisch und wenig anschaulich. Streckenweise wird dem Leser, zudem in einem spröden, wenig mitreißenden Stil, eine reine Aufzählung von Fakten geboten. Auch die Qualität der Abbildungen lässt manche Wünsche offen. Wer bereit ist, diese Einschränkungen in Kauf zu nehmen, wird mit einer im Ganzen kompetenten und instruktiven Darstellung der antiken Umweltgeschichte belohnt.
Rezension: Sonnabend, Holger





