Damit die “Wissenschaften hier einen guten Fortgang nehmen [und] die Untertanen für die Leitung der Gemeinwesen und zur Fürsorge für die Bedürfnisse geeigneter machen”, hatte Kurfürst Friedrich III. “der Weise” von Sachsen im Juli 1502 durch ein kaiserliches Privileg in Wittenberg eine Universität gegründet. Drei Monate später, am 18. Oktober 1502, versammelten sich zahlreiche Studenten, Dozenten und Vertreter der Stadt, um den neuen Ort des Lehrens und Lernens feierlich zu eröffnen. Die Stadt Wittenberg (= Weißenburg, Weißenberg), so benannt nach dem weißen Sand am Elbufer, gab der Bildungsstätte ihren antikisierenden Namen: “Leucorea”. Daß es überhaupt zur Gründung einer Universität in dem kleinen, unbedeutenden Wittenberg kam, war ein politischer Schachzug Kurfürst Friedrichs. Der Universität Leipzig und damit dem ungeliebten Vetter Herzog Georg, der im askanischen Landesteil Sachsens regierte, wollte der Ernestiner Friedrich eine eigene Bildungsstätte entgegensetzen. Neben der hohen Qualität der Lehre waren es vor allem die niedrigen Lebenshaltungskosten, die junge, wißbegierige Menschen nach Wittenberg locken sollten. Zur Eröffnung der Universität waren bereits 416 Studenten immatrikuliert, die in den Fächern Theologie, Kanonistik und bürgerliches Recht, Medizin, Philosophie und in den freien Künsten einen Abschluß erwerben konnten. Große Bedeutung erlangte Wittenberg aber erst durch ihren bedeutendsten Dozenten, Martin Luther. Durch ihn wurde Wittenberg zum geistigen Zentrum der Reformation, die Universität zur Kaderschmiede der “Neugläubigen”.





