In der Regenzeit schüttet es und das Wasser strömt von den Anden hinab – doch in der Trockenzeit ist von diesen Massen dann oft nicht mehr genug übrig: Mit diesem Problem sind die Menschen der peruanischen Küstenregion und der Millionenstadt Lima immer wieder konfrontiert. “Die Menschen in Lima leben mit einer der instabilsten Wasserverfügbarkeiten der Welt“, sagt Wouter Buytaert vom Imperial College London. Die Lage verschärft sich außerdem, denn der Wasserbedarf der Bevölkerung steigt, während die Versorgung immer problematischer wird: Durch die globale Erwärmung schwinden die Gletscher der Anden und verlieren somit ihre Pufferfunktion bei der Wasserversorgung. Der Klimawandel verstärkt zudem die Niederschläge in der Regenzeit und die Dürren in der Trockenzeit, was eine effektive Wasserspeicherung immer dringlicher macht.
In diesem Zusammenhang rückten in der letzten Zeit auch die Lösungsansätze der Altvorderen wieder ins Blickfeld des öffentlichen Interesses in Peru. Denn vielerorts gibt es noch Spuren der Strukturen, mit denen die Ureinwohner die ungleichmäßigen Niederschläge einst managten. Buytaert und seine Kollegen haben nun erstmals systematisch ausgelotet, welche Wirkungen die präkolumbischen Wassersysteme in der Berglandschaft erzielten und inwieweit es sinnvoll sein könnte, sie heute erneut auszubauen.
Das Konzept: Gezielt versickern lassen

Bei dem System im Fokus handelt es sich um Anlagen, welche die alten peruanischen Zivilisationen etwa um 600 n. Chr. im Hochland der Anden bauten. Sie verhinderten damit, dass das Wasser zur Regenzeit zu schnell in Sturzbächen ins Tal saust und dort ungenutzt verschwindet. Sie leiteten das Wasser dazu aus den Bächen durch ein Netz aus Kanälen gezielt auf geeignete Berghänge und in ein System aus Teichen. Dort versickerte es und floss anschließend langsam durch den Untergrund. Später tauchte es dann im Tal wieder auf und sprudelte kontinuierlich über die Trockenzeit hinweg aus Quellen. So konnten die normalerweise flüchtigen Wassermassen der Regenzeit einer nachhaltigeren Versorgung der Menschen dienen. Soweit die Theorie – Details dieses Systems waren bisher aber nicht wissenschaftlich erfasst.
Im Rahmen ihrer Studie haben Buytaert und seine Kollegen nun eine der wenigen noch funktionsfähigen Infiltrationssysteme Perus untersucht. Die rund 1400 Jahre alte Anlage befindet sich im Andenhochland in der Nähe von Lima und wurde vor kurzem wieder instand gesetzt. Um dem Weg des Wassers in dem System nachzugehen, haben die Wissenschaftler während der Regenzeit Markierungsstoffe in das Wasser eingebracht, das in die Anlage gelangte. Außerdem haben sie weitere hydrologische und geologische Untersuchungen durchgeführt und das Areal genau kartiert.





