Sie liegt am äußersten westlichen Rand des Kontinents und ist von einem besonderen Klima geprägt – die Iberische Halbinsel gilt bereits seit langem als ein möglicher Sonderfall im Rahmen der Besiedlungsgeschichte Europas. Um Licht ins Dunkel zu bringen, haben Forscher im Rahmen von zwei Studien die moderne Genetik eingesetzt. Durch raffinierte Methoden ist es möglich, Jahrtausende alten Funden noch Erbgut zu entlocken, das sich für Vergleiche eignet. So sind Rückschlüsse möglich, woher bestimmte Bevölkerungsgruppen stammten, wie sie sich mischten oder verschwanden. Die erste Studie betrachtete in diesem Zusammenhang Jäger und Sammler sowie frühe Bauern, die einst im heutigen Spanien und Portugal gelebt haben. Die ältesten, neu analysierten Individuen sind etwa 12.000 Jahre alt und wurden in Balma Guilanyà in Spanien geborgen.
Aus früheren Untersuchungen ging hervor, dass zwei unterschiedliche Gruppen von Jägern und Sammlern die letzte Eiszeit in Europa überlebt haben: Menschen der sogenannten Villabruna-bezogenen Herkunft und Vertreter des sogenannten magdalenischen Kulturkomplexes. Etwa vor 14.000 Jahren breitete sich die Gruppe der Villabruna-Abstammung dann aus und ersetzte die Bevölkerungen der magdalenischen Kultur in West- und Mitteleuropa. Bisher war allerdings unklar, was sich in diesem Zusammenhang auf der Iberischen Halbinsel abgespielt hatte.
Zwei paläolithische Abstammungslinien mischten sich
Die Ergebnisse der Studie unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena (MPI-SHH) zeigen nun, dass die iberischen Jäger und Sammler beide Abstammungslinien in sich trugen. Wie sie erklären, bedeutet das: Auf der Iberischen Halbinsel war es es zu einer Mischung der beiden Bevölkerungsgruppen gekommen. Demnach hat sich dort auch das Erbe des magdalenischen Kulturkomplexes erhalten. “Wir können das Überleben einer zusätzlichen paläolithischen Linie bestätigen, die auf die späte Eiszeit auf der Iberischen Halbinsel zurückgeht”, sagt Wolfgang Haak vom MPI-SHH. “Dies bestätigt die Rolle der Region als Zufluchtsort während des letzten eiszeitlichen Maximums, nicht nur für Fauna und Flora, sondern auch für die menschliche Bevölkerung”, so der Anthropologe über das zentrale Ergebnis der ersten Studie.
Die zweite Studie wurde von der Harvard Medical School und dem Broad Institute geleitet und konzentrierte sich auf etwas spätere Zeiträume: Die Forscher analysierten die DNA von 271 Iberern aus dem Mesolithikum, Neolithikum, der Kupferzeit, der Bronzezeit, der Eisenzeit und historischen Zeiträumen. Die Ergebnisse untermauern die Resultate der ersten Studien: Die Jäger und Sammler des heutigen Portugal und Spanien verschwanden nicht etwa spurlos, als sich die einwandernden Bauern aus dem Nahen Osten in ihrer Heimat breitmachten. In den Genomen der Zeit zeichnet sich hingegen eine Mischung der Populationen ab: “Die Iberischen Bauern tragen auch die einzigartige Signatur der Abstammung von Jägern und Sammlern der Region”, erklärt Co-Autorin Vanessa Villalba-Mouco vom MPI-SHH.





